23. Juli 2019
„Om Swastiastu„
War es toll wieder zurück auf Bali zu sein. Wie sehr hatten wir diese wundervolle Insel vermisst.
Am Morgen standen wir auf, machten uns fertig, packten unsere Sachen und dann bekamen wir den Anruf. I Gede, unser balinesischer Freund, stand mit dem gemieteten Auto vor dem Hotel und wartete auf uns.
Sofort gingen wir runter und fielen ihm in die Arme. War das ein schöner Moment, wir hatten uns ein Jahr lang nicht gesehen und uns so viel zu erzählen. Wir verfrachteten unser Gepäck im Auto, checkten aus und machten uns auf den Weg nach Melaya.
Das Dorf liegt ganz im Westen von Bali und bei meinen anfänglichen Recherchen im Internet konnte ich keine Informationen darüber finden. Wir wussten also nicht, was uns erwarten würde, freuten uns aber ungemein.
Nach 3 ½ Stunden Fahrt, vorbei an
Tempeln, hektischen Städtchen und saftig grünen Reisfeldern kamen
wir an. Wir brachten unser Gepäck schnell im von uns im Vorfeld
gebuchten Hotel unter und fuhren direkt weiter zu I Gede’s Familie.
Wir wurden herzlich begrüßt und zu einem der typisch balinesischen
Pavillons geführt, die in fast jedem Garten stehen. Dort setzten wir
uns gemeinsam hin und tranken Tee. Zusätzlich gab es Reis mit einer
scharfen Sauce, Wackelpudding, Obst und zum Abschuss wurde noch eine
Kokosnuss, frisch von der Palme geschlagen. Wir unterhielten uns
nett, soweit es die Englischkenntnisse zuließen und schauten uns das
Grundstück an.
Im Anschluss fuhren wir zu einem weiteren Teil
der Familie, dort bekamen wir einen nach Pflaumenwein schmeckenden
Klebereis und kühle Getränke gereicht. Wir saßen gemeinsam auf dem
Boden vorm Haus, unterhielten uns und schauten den Kindern zu. Schon
beeindruckend, wie gastfreundlich die Menschen hier sind, obwohl sie
selber in wirklich einfachen Verhältnissen wohnen!
Langsam wurden wir müde und fühlten
uns ein bisschen erschlagen von den ganzen neuen Eindrücken und
Menschen, die wir kennengelernt hatten, deswegen machten wir uns
wieder auf zu unserer Unterkunft. Dort angekommen verabschiedeten wir
uns von I Gede und gingen in unser Zimmer. Leider fiel uns erst dann
auf, dass die Luft im Zimmer sehr schlecht war und es an vielen
Stellen schimmelte. Außerdem wurde im ganzen Gebäude geraucht und
das entsprach nun wirklich nicht unseren Vorstellungen. Wir
versuchten auf die Schnelle eine neue Bleibe in dem Ort zu finden,
aber das stellte sich als gar nicht so leicht heraus. Denn in Melaya
kann man die verfügbaren Unterkünfte an einer Hand abzählen.
Außerdem war es mittlerweile schon dunkel geworden und die Uhrzeit
vorangeschritten. Also kontaktierten wir I Gede, der einige Minuten
später erneut bei uns auf der Matte stand und nach dem Rechten
fragte.
Nun standen wir alle etwas ratlos da und überlegten.
Letztendlich fuhren wir zu einer etwas teureren Unterkunft (17
Euro/Nacht, was eigentlich über unserem Budget liegt) und schauten
uns um. Vom ersten Moment an waren wir begeistert. Überall waren
kleine Lampen und Lichter an, vier Bungalows standen nebeneinander
und direkt davor war ein großer Pool. Auch das Meer konnte nicht
weit sein, wir sahen es im Dunkeln zwar nicht, aber hören konnte man
es deutlich.
Wir verliebten uns schlagartig in diesen Ort und bezogen einen der Bungalows. Wir fühlten uns pudelwohl, fielen ins Bett und freuten uns auf die kommende Zeit.
24. Juli 2019
Am nächsten Morgen wachten wir auf und konnten es kaum fassen. Überall draußen waren bunte Blumen gepflanzt, der Pool befand sich inmitten des Blumenmeers und direkt hinter dem Pool lag der schwarze Sandstrand und der Wellen schlagende Ozean. Die Sonne lachte vom Himmel und wir begrüßten den Tag.

Wir gingen kurz zum Strand und wurden
anschließend wieder von I Gede abgeholt. Wir fuhren erneut zu seiner
Familie, denn heute war ein ganz besonderer Tag. Der Galungan Day.
Dieses ist eines der bedeutendsten Feste der Balinesen. An diesem Tag
kehren die verstorbenen Geister der Vorfahren zurück auf die Erde,
um die kommenden 10 Tage gemeinsam mit den Familien zu verbringen,
bevor sie am Kuningan Day wieder fortgehen. Außerdem wird der Sieg
des Guten über das Böse gefeiert.
Während wir durch die Gegend
fuhren zog uns der Duft von Räucherstäbchen in die Nase und überall
liefen bunt gekleidete Balinesen durch die Gegend und verteilten ihre
aufwendig hergestellten Opferschälchen. An den Straßen waren
Fahnenmäste aus Bambus aufgestellt, an dessen Ende zusammengebundene
bunte Blumen und geflochtene Blätter herunterhingen.
Wiedermal wurden wir herzlich von I Gede’s Familie begrüßt, bekamen Tee und dann starteten wir auch schon mit unserem Vorhaben. Ich (Hannah) ging mit der Mutter ins Haus und wurde kurzerhand in eine der hübschen, spitzenverzierten Blusen gesteckt. Dazu gab es einen engen Sarong und darüber ein Tuch, welches zusammengebunden wurde, um meine Gebärmutter vor dem Bösen zu schützen. I Gede half Nils beim Umziehen. Er erschien uns in einem weißen Hemd, gebundenem Sarong und mit einem Udeng (festliche Kopfbedeckung).
Da Levi sich nicht ankleiden lassen wollte bekam er lediglich ein Tuch um die Hüfte gebunden und war damit mehr als zufrieden. Das störte ihn dann auch nicht so beim Stapeln von Steinen und Beobachten der Hühner.

Nachdem wir alle fertig gemacht waren und unsere Gastgeber noch einmal im hauseigenen Tempel gebetet haben, nahmen wir die Opfergaben und fuhren zu dem größten Tempel, den es im Dorf gab. Dort war ein ganz schöner Menschenauflauf. Viele bunt gekleideten Menschen wuselten durcheinander, begrüßten Bekannte, quatschen, lachten, beteten und übergaben ihre Opferschalen.
Als ein Geräusch (Gong?) ertönte, nahmen uns I Gede und seine Freunde, die wir mittlerweile auch kennenlernen durften, an die Hand und führten uns auf eine Wiese neben dem Tempel. Die Männer setzen sich im Schneidersitz auf den Boden, die Frauen gingen eher in eine Art Hocke (das ist wohlgemerkt ganz schön anstrengend auf dem harten pieksigen Boden, da haben es die Männer einfacher :-D). Die Kinder setzten sich neben die Eltern und machten mit oder taten, was immer sie wollten. Generell muss man sagen, dass wir schon eine kleine Sensation darstellten. Die Menschen schauten uns unentwegt an, fotografierten uns oder machten Videos.
Dann begann die Zeremonie. Im Wechsel ertönte Musik und eine Art Sprachgesang und dazu machten alle bestimmte Bewegungen. Sie nahmen zum Beispiel eine Blume aus der vor ihnen stehenden Opfergabe und führten diese mit beiden Händen durch den Rauch der Räucherstäbchen, welcher aus den Opfergaben empor stieg. Dann streckten die Menschen ihre gefalteten Hände über den Kopf und steckten sich die Blume danach hinters Ohr. Eine auf die rechte Seite, eine auf die Linke und eine Blume hinten in die Haare.
Anschließend gingen ein paar Männer, ausgestattet mit Wasser und Reis durch die Reihen. Bei jedem Teilnehmer wurde einmal angehalten. Erst wurde man mit Wasser beträufelt, dann musste man seine Hände vor dem Körper übereinanderlegen, damit Wasser eingefüllt werden konnte. Dieses musste man drei Mal trinken und es danach einmal über Kopf und Haare verteilen. Danach bekam man etwas Reis, welchen man sich auf die Stirn, auf das Dekolletee und in die Haare klebt. Dann ging der Mann zur nächsten Person und so ging es weiter, bis jeder die Prozedur abgeschlossen hatte.
Als wir an der Reihe waren, wurden wir genauestens beobachtet. Wir waren etwas aufgeregt und unendlich dankbar über die Hilfe von unseren neuen Freunden, ohne die wir uns wohl etwas blamiert hätten :-D.
Danach standen alle auf und gingen in den Haupttempel, in dem die selbe Prozedur ein zweites Mal abgehalten wurde. Auch wenn wir bei Weitem nicht alles verstanden haben, war es doch eine einmalige Erfahrung. Es war so schön ein Teil davon sein zu dürfen.
Nach der Zeremonie fuhren wir wieder zu I Gede und stärkten uns mit Tee, Bananen und einer frischen Kokosnuss.
Später fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft, freuten und auf eine Dusche und darauf eine Runde im Pool zu schwimmen.
Abends kam I Gede mit seiner Familie und seinen Freunden vorbei. Wir setzten uns an den Strand und machen ein Lagerfeuer.


Dazu gab es das ein oder andere Bier, einen sternenklaren Nachthimmel und witzige Gespräche. Levi saß vom Tag beeindruckt am Feuer, malte Bilder und schlief mit der Zeit selig ein. Dann brachten wir ihn ins Bett, genossen den restlichen Abend und fielen spät nachts müde ins Bett.