Nach sechs Wochen im Süden von Indien haben wir einen ersten kleinen Eindruck davon bekommen, wie es in diesem Land so läuft. Wir saßen an Strände, erkundeten die „Backwaters“ mit dem Boot, erlebten einen Zyklon und das nachfolgende Hochwasser. Wir spazierten durch verschiedene Städtchen, ließen uns Henna Tattoos malen, machten Spielplätze unsicher und schlenderten über Märkte. Wir suchten die Hippies in Goa, aber fanden keine. Nils brach sich seinen Finger, Levi und ich wurden krank.
Indien ist laut, dreckig und chaotisch. Es liegt viel Müll herum und man sieht eine Menge abgemagerter Tiere. Viele Unterkünfte, die wir hatten waren schimmelig und heruntergekommen.
Die Rolle der Frau ist in der Gesellschaft immer noch nicht gefestigt, weshalb ich mich das ein oder andere Mal etwas unwohl gefühlt habe. Lange Kleidung zu tragen war vielerorts unumgänglich. Uns ist bisher aber nie auch nur ansatzweise etwas passiert. Wir haben uns immer sicher gefühlt!
Spontanes Reisen mit dem Zug in Indien gestaltet sich als kleine Herausforderung, wenn man mit Kind und verhältnismäßig viel Gepäck reist. Die gemütlichen Abteile in den Nachtzügen waren weit im Voraus ausgebucht und übrig blieben die vollgestopften 3. Klasse Abteile. Auch Busfahren war nicht unsere erste Wahl, denn wie sollten wir mit einem kleinen Kind mehr als 15 Stunden am Stück auf ein und demselben Platz verbringen? Die Distanzen der verschiedenen Orte innerhalb Indiens haben wir wirklich unterschätzt. Also blieb uns einige Male leider nichts anderes über, als zu fliegen. Nächstest Mal werden wir besser vorbereitet sein :D.
Aber Indien ist auch bunt, lecker und gastfreundlich. Das Essen ist gigantisch, die Auswahl unbegreiflich. Überall gibt es scharfe, lecker gewürzte Currys, Reis und Brote. Man erlebt die ein oder andere Geschmacksexplosion. Aber auch andere indische Spezialitäten, genauso wie Bratnudeln, Burger oder Pommes bekommt man problemlos. Überall, wo wir bisher waren, konnten wir Essen auch ganz einfach über eine App bestellen. Manchmal war das super praktisch.
Die Menschen sind so unglaublich herzlich, wie wir es noch nie zuvor erlebt haben. Aus einem kleinen Smalltalk ergibt sich im Handumdrehen ein tiefer gehendes Gespräch. Schnell findet man neuen Anschluss und erlebt witzige Stunden. Alleine ist man jedenfalls nie. Wir fanden viele neue Freunde, zu denen wir auch jetzt noch regelmäßig Kontakt haben, lernten das Kartenspiel „Donky“ kennen und schmissen eine gemeinsame Party.
Außerdem bekamen wir eine Anfrage von einer Reporterin, die ein Interview mit uns über unsere Reise führen wollte. Eine spannende Zeit lag hinter uns.
Allerdings waren wir nach sechs Wochen wirklich froh, wieder in ein Land zu kommen, in dem ein gehobenerer Standard herrscht.
Dennoch möchten wir wiederkommen und den Norden Indiens bereisen. Denn dort warten das Taj Mahal, eine Tigersafari, interessante Gebäude, verschiedene Städte, die Wüste und der Kauf eines traditionellen Saris (ein indisches Gewand) auf uns. Diesmal werden wir aber nicht so lange bleiben und versuchen die Fahrten weit im Voraus zu buchen. Außerdem wollen wir nicht all zu weite Strecken am Stück zurücklegen.