28. Februar 2020
Unsere 1. Zugfahrt in Vietnam. Wir haben ja festgestellt, dass eine Zugreise sehr entspannend für uns ist und wir, wenn möglich, gerne mit Zügen unterwegs sind.
Die Tickets hatten wir vorher online gekauft und warteten nun am Bahnhof, bis wir in den Zug einsteigen konnten. Sobald der Zug anhielt, stiegen Schaffner aus und klappten Zahlen aus ihren Wagons heraus. Mit Hilfe von diesen konnten wir schnell feststellen, wo wir einsteigen mussten und wenig später saßen wir auf unseren reservierten Plätzen. Es war ganz schön kalt im Zug und wir mussten uns erst einmal etwas anziehen. Kurz darauf meldeten sich unsere Mägen und wir machten uns über die Baguettes her, die wir kurz vor Abfahrt bei einer französischen Bäckerei gekauft hatten. Dazu gab es süße Marmelade, kleine saftige Tomaten und für Levi einen Kakao.
Während der Fahrt zogen viele schöne Landschaften an uns vorbei. Große Teile der Strecke legten wir parallel zum Meer zurück, sahen die Wellen brechen und kleine versteckte Buchten, die zum Verweilen einluden. Immer wieder ragten in der Ferne Berge empor, Reisfelder und kleine Dörfer sahen wir ebenfalls viele.
Regelmäßig kamen Verkäufer die Gänge entlang, ihren kleinen Wagen im Schlepptau und versorgten die Reisenden mit Speisen und Getränken. Das ganze erinnerte uns sehr an Sri Lanka, nur dass wir diesmal keinen Blutegel mit uns herumschleppten :-D.

Nachdem wir in Hue ankamen stellten wir fest, dass es kein Grab gab und organisierten uns ein Taxi mit Taximeter, um zu unserer Unterkunft zu fahren, die etwas außerhalb lag. Das Flair von der Unterkunft war etwas gewöhnungsbedürftig, das Zimmer war aber sauber und einen Balkon hatten wir auch. Einen Rollerverleih gab es weit und breit nicht, deshalb machte Nils sich kurze Zeit später auf den Weg, um einen zu besorgen. In Vietnam muss man immer überall seinen Reisepass abgeben, sei es bei der Unterkunft oder beim Rollerverleih. Das kann zu einem Konflikt kommen, wenn man nur einen dabei hat.
Stunden später kam Nils mit einem fahrbaren Untersatz wieder. Abends aßen wir Indisch, darauf hatte besonders ich große Lust.
1. März 2020
An diesem Tag fuhren wir das 1. Mal richtig Roller in Vietnam. An den Rechtsverkehr mussten wir uns immer noch gewöhnen, aber Nils fand erstaunlich schnell rein. Die Fahrt war recht entspannt, da wir auf einer großen Straße, außerhalb der Stadt fuhren. Um uns herum waren grüne, schimmernde Reisfelder, soweit das Auge reichte. Auf diesen arbeiteten die Reisbauern, die diese typisch vietnamesischen Strohhüte auf den Köpfen trugen. Außerdem sahen wir eine Grabstätte, welche an einem Berg erbaut wurde und ziemlich eindrucksvoll aussah. Leider verpassten wir einen guten Moment für ein schönes Foto.
Den ersten Stopp machten wir am „Mausoleum of Emperor Khai Dinh“, der Grabstätte eines alten vietnamesischen Kaisers. Diese beeindruckt durch den mittlerweile dunkel gewordenen Stein, die großen Treppen und die Steinfiguren, welche auf zwei Plätzen aufgestellt sind. Die Grabstätte ist pompös. An den Wänden befinden sich lauter verschiedene Kacheln und Ornamente, auf denen zum Beispiel Tiere und Pflanzen abgebildet sind. Außerdem werden alte Gegenstände, wie Schwerter und Vasen ausgestellt. Levi erfreute sich am meisten an den alten Geldstücken. Er durfte die Münzen und Scheine sogar anfassen und war absolut begeistert.
Der Eintritt kostete allerdings 6 Euro pro Person (Kinder frei), was wir ganz schön viel fanden..
Danach gab es für uns Mittagessen am Straßenrand. Nudeln mit Gemüse und einer undefinierbaren Sauce, das ganze in kalt. Dafür kostete eine Portion auch nur 1 Euro, also alles in Ordnung.

Unser zweites Ziel war ein verlassener Wasserpark. Über diesen hatten wir in der Vergangenheit ab und zu etwas gehört und wollten ihn nun auch unbedingt erkunden. Wir hatten schon im Vorfeld gelesen, dass gerne mal Männer vor dem Eingang sitzen und darauf hoffen, den Schaulustigen gefakte Eintrittsgelder aus der Tasche zu ziehen. Also waren wir vorbereitet und erklärten den „Parkwächtern“, dass wir kein Geld bezahlen würden. Sie nickten und ließen uns durch. Die 0,40 Cent Gebühren für das Parken zahlten wir dennoch an eine Frau, die kurz nach abstellen des Rollers mit offenen Händen ankam. Denn Parken kostet hier in Vietnam fast überall Geld, genauso wie auf Bali.

Der Park befindet sich inmitten einer großen, waldigen Anlage. In der Mitte ist ein künstlich angelegter See. Es gibt verschiedene Wege, Skulpturen und eine große Tribüne.

Das Herz bildet eine Drachenstatur aus Stein, welche sich auf einer Plattform auf dem See befindet. Dieses kann man betreten und sogar bis ganz nach oben ins Maul laufen, wenn man den richtigen Weg findet. Ursprünglich sollte hier wohl mal ein Aquarium entstehen. Jedenfalls vermuten wir es, denn im unteren Teil befindet sich ein Gang, der mit Meerestieren geschmückt ist. Außerdem gibt es viele Becken, deren Scheiben allesamt eingeschlagen wurden. Generell ist vieles sehr zerstört, alle Glasscheiben waren zertrümmert, überall lag Glas und Müll und die Wände waren bekritzelt. Trotzdem lieben wir solche verlassenen Orte. Wir reden dann viel darüber, was wohl passiert sein muss, wenn so ein großes Projekt plötzlich auf Eis gelegt wird. Dabei wirkte alles so fertig. Levi erschrag sich beim Erkunden jedenfalls einige Male. Ganz geheuer war ihm das Ganze nicht.

Nachdem wir uns vom Drachen entfernten und ein Stück weiter gingen, gelangten wir zu einem Rutschenpark, der langsam vom Dschungel überwuchert wurde. Wir stiegen die geländerlose Treppe herauf und schauten auf drei Rutschen. Kurz darauf mussten wir Levi davon abhalten, herunter zu rutschen. Wer weiß, wie stabil das Ganze noch ist?
Beim Herumlaufen sahen wir einige Fische in den vollen Wasserbecken schwimmen. Angeblich wurden auch mal Krokodile für den Park angeschafft und so richtig wüsse keiner, wo diese abgeblieben sind.. 😀

Nachdem wir an dem Kinderbecken vorbeigegangen waren machten wir uns auf den Rückweg und kamen dabei an einer Gesellschaft aus Einheimischen vorbei, die es sich auf einer Wiese am See gemütlich gemacht hatte. Sie aßen, tranken Bier, lachten und die Kinder spielten. Auf dem Trampelpfad durch den Wald hielten wir an einem provisorischen Stand, an dem kalte Getränke verkauft wurden. Dem konnten wir nicht widerstehen, deswegen setzten wir uns auf die kleinen roten Plastikhocker und machten eine kurze Pause. Es war den ganzen Tag über richtig heiß gewesen. Der anschließende Weg war wunderschön. Wir sahen verschiedenste Pflanzenarten, ganz besonders gut gefielen mir die unterschiedlichen Farne, die überall am Wegesrand wuchsen!
Abends im Hotel folgte dann ein weiteres Highlight. Wir waren erschöpft vom Tag und lümmelten im Bett herum, als es unerwartet an der Tür klopfte.
Als wir aufmachten standen uns ein Arzt, ein Polizist, ein Hotelmitarbeiter und weitere fremde Gesichter gegenüber. Sie versuchten uns etwas mitzuteilen. Die Versuche scheiterten allerdings, da weder unser Vietnamesisch, noch deren Englischkenntnisse besonders ausgebaut waren und so zog sich die Situation unglaublich in die Länge. Auch der Googel Übersetzer stellte keine große Hilfe dar.
Uns wurde ein altes Quecksilberthermometer unter die Achseln gestopft, die Temperatur notiert und dann sollten wir inklusive Pass nach unten an die Rezeption kommen. Levi blieb im Zimmer, denn er hatte absolut keine Lust auf das Spektakel. Unten mussten wir dann einen Fragebogen ausfüllen, den wir nach langem Übersetzen auch nur ansatzweise verstanden. Die Männer schienen alle Zeit der Welt zu haben und so zog sich das Ganze über eine Stunde lang. Im Großen und Ganzen wurde aber lediglich gefragt, woher wir kommen und wohin wir reisen wollen. Dabei mussten wir den Männern unseren kompletten vorherigen Reiseverlauf inklusive Zeitangaben niederschreiben, weil sie es einfach nicht verstanden.
Das Unterfangen wurde wohl landesweit angeordnet, so wurde uns berichtet und soll der Verbreitung des Corona Virus entgegenbeugen.
Nachdem alles dokumentiert war und wir als gesund befunden wurden, wurden unsere Pässe ein weiteres Mal kopiert. Dann verabschiedeten sich der Arzt und der Polizist, stiegen auf ihren Roller und brausten davon. Wir gingen zurück ins Zimmer und redeten noch Stunden später über das Erlebte.













