19. April 2021
Es war der Tag gekommen, an dem wir uns von diesem friedlichen Fleckchen Erde verabschieden mussten, wir hatten die Abreise mehrere Tage herausgezögert, aber nun war es unaufschiebbar. Auf Wiedersehen „Isla Holbox“.
Auf der Fahrt nach „Valladolid“ lernten wir ein Pärchen, ebenfalls aus Deutschland, kennen. Den beiden gefiel Mexiko bisher noch gar nicht und sie überlegten, wohin es für sie alternativ als nächstes gehen könnte.
Das passierte uns in letzter Zeit öfter, entweder wir trafen Menschen, die Mexiko sehr mochten, oder aber das Gegenteil war der Fall. So viele Meinungsverschiedenheiten über ein Land kannten wir so bisher nur von Indien und Sri Lanka.
Nach einer relativ kurzen Busfahrt kamen wir in „Valladolid“ an, schnappten uns unser Gepäck und liefen zum „Casa Rosario“. Glücklicherweise befand sich dieses in der Nähe der ADO – Station und wir hatten es nicht weit. Das Hotel war recht klein, vermietete nur eine handvoll Zimmer, bot eine große überdachte Terrasse und einen kleinen Pool inmitten eines bunt blühenden Gartens. Es fühlte sich direkt nach „zu Hause“ an, manchmal ist Ankommen so einfach. Unser Zimmer war groß, hell und sauber. Die Klimaanlage funktionierte einwandfrei. Die Mitarbeiter waren ausgesprochen umsichtig. Wir waren umgeben von internationalen Reisenden. Was wollten wir mehr…

Die nächsten Tage erkundeten wir zu Fuß die Stadt. „Valladolid“ gefiel uns von der ersten Sekunde an, mit all den alten bunten Häusern und den vielen wuseligen Geschäftchen. Es war nicht zu touristisch, niemals zu voll. Wir schauten uns die „Iglesia de San Servacio“ an, schlenderten durch den „Francisco Canton Rosado Park“ und aßen gerne beim „Mercado de Comida“. Dort empfehlen wir unbedingt den asiatischen Essensstand, nach so viel mexikanischem Essen wirklich eine willkommene Abwechslung.
Normalerweise findet abends um 21.30 Uhr eine Lichtershow am Kloster „Convento de San Bernardino de Siena“ statt, bei welcher man auf englischer Sprache Informationen über die Stadt bekommt. Das Ganze kostenlos. Wir standen also abends pünktlich bereit, die zuvor am Straßenrand erworbenen Crêpes in unserer Hand. Gespannt schauten wir uns um, doch es passierte nichts. Schien wohl heute nicht statt zu finden, naja. Wir aßen unseren Snack und machten uns dann auf den Weg ins Bett.
Für den nächsten Tag hatten wir uns extra ein Auto gemietet, einen orangenen „Renault Stepway“ für etwa 30 Euro pro Tag.
Früh am Morgen des Folgetages machten wir uns auf den Weg zum „Rio Lagartos“. Dort waren wir um 9 Uhr mit Edgar verabredet (+529861037337). Er war unser Guide für die Tour, die wir an diesem Morgen unternehmen wollten. Wir setzen uns in sein Boot und genossen die frische Morgenluft, die an uns vorbei zischte. Nachdem Edgar den Motor ordentlich in Schwung gebracht hatte, flogen wir nur so über das Wasser. Umgeben von Mangroven fuhren wir immer tiefer in das Gebiet des „Rio Lagartos“. Rechts und links überall Vögel; Pelikane, Ente, Reiher, Kraniche, Möwen und und und. Definitiv ein Paradies für Vogelliebhaber. Früh morgens soll man hier auch hin und wieder Delfine sehen können. Wir fuhren noch ein ganzes Stück weiter, immer wieder hielten wir an und Edgar erklärte uns alles, was er über diesen Lebensraum und seine Tiere wusste. Und dann sahen wir es, schon das zweite Mal. Dieses Mal aber deutlich sichtbar, direkt neben unserem Boot schwamm ein über zwei Meter großes Krokodil. Es beobachtete uns, öffnete sein Maul voller spitzer Zähne und schloss es wieder. Wir schauten einige Minuten teils fasziniert, teils verängstigt zu. Dann fuhren wir weiter und waren umgeben von Flamingos. Soweit das Auge reichte wateten diese Tiere durchs Wasser oder flogen durch die Luft. Immer umgeben von unzähligen anderen Vögeln ihrer Art. Flamingos kennen wir aus dem Zoo und aus Frankreich, ich habe zuvor aber niemals einen Flamingo fliegen sehen. Daran konnte ich mich nicht sattsehen, wie diese großen Vögel pink schimmernd, elegant dahinglitten. Und diese Tiere waren laut. Ihre Kolonien hörten wir noch von Weitem.
Was bitte durften wir hier schon wieder erleben? Fast unberührte Natur, wir das einzige Boot weit und breit, soweit draußen. Wir, umgeben von diesem Paradies. Nach etwa zwei Stunden war die Bootstour vorbei. Auf dem Rückweg gab Edgar uns noch eine weiße Paste, die er mit dem Flusswasser tränkte und mit welcher wir uns anschließend einreiben sollten. Innerhalb von wenigen Minuten trocknete die klebrige Masse auf unserer Haut.
Am Ende der Tour konnten wir sie dann wieder abwaschen. Was das Ganze gebracht hat? Wissen wir nicht genau, vielleicht als Sonnenschutz? Vielleicht ein Beautyprogramm?
Auf jeden Fall hatte ich das Gefühl, dass sich meine Haut danach weicher anfühlte, was natürlich auch reine Einbildung gewesen sein könnte.
Für alle, die nun denken, dass dieser Ausflug damit beendet war. Zum Glück nicht, denn ein weiteres Highlight wartete auf uns. Wir fuhren bestimmt eine halbe Stunde mitten durchs Nichts, bis seitlich von uns riesige Salzberge einer naheliegenden Fabrik auftauchten. Dank unseres Guides bezahlten wir keinen Eintritt, konnten aber trotzdem einen Blick auf den pinken See „Las Coloradas“ werfen und Fotos machen. Und wir hatten Glück, die Sonne schien, der Wind wehte leicht und das waren laut Edgar die besten Bedingungen, um das Becken in seiner schönsten Farbe zu sehen.
Übrigens gefielen uns die touristischen Buchstaben gut, die wir sonst gar nicht so sehr mögen. Aber in „Valladolid“, in „Rio Lagartos“ und auch beim „Las Coloradas“ waren die Buchtsaben einfach so verdammt schön dargestellt. Auf jedem Einzelnen befand sich ein Gemälde, welches die Besonderheiten der Umgebung widerspiegelten. Schildkröten, Vögel, Krokodile, Cenoten, Fischer und und und… Wirklich schöne Hingucker und ein oder zwei Fotos wert!
Nach diesem Ausflug schauten wir uns nicht, wie anfangs gedacht, noch weitere Cenoten an, sondern sparten uns das Geld und gingen früh schlafen.



Hier noch ein Tipp: Da die meisten Cenoten um „Tulum“ unbezahlbar sind und auch um Valladolid nicht gerade ein Schnäppchen darstellen. Im Zentrum von Valladolid gibt es die Stadtcenote „Zaci“, welche nur einen Euro Eintritt kostet! Wir haben es leider nicht mehr geschafft, sie anzuschauen.
















