#29 Alapuzzha

21. Oktober 2019

Als wir am Morgen aufwachten, staunten wir nicht schlecht. Am Vorabend fing es irgendwann an, wie aus Eimern zu gießen. Und dieser Regen muss die ganze Nacht angehalten haben, denn die Straßen waren alle überschwemmt. Auch das ein oder andere Haus stand unter Wasser. Morgens watete ich nur die Wassermengen und kaufte ein letztes Mal Frühstück bei der kleinen Bäckerei. Danach wollten wir eigentlich mit dem Bus von Fort Kochi nach Allapuzzha (ehemals Alleppey) fahren. Auf Grund des Hochwassers entschieden wir uns aber dagegen und buchten uns über die App „Ola“ einen privaten Fahrer.

Die Lösung schien gut und doch zog sich die Fahrt hin. Immer wieder musste unser Fahrer aussteigen und sich mit anderen Autofahrern über den bestmöglichen Weg austauschen. Wir passierten knietiefe Pfützen und blieben immer wieder in kleinen Staus stecken, die sich auf Grund der Fahrbahnverengungen bildeten.

Kurz bevor wir unser Ziel, das „OYO Windsurf“ erreichten, blieb unser Fahrer stehen. Die Pfützen waren zu tief und die Straßen zu schlecht. Hier war endgültig Sackgasse. Aber wir waren ja in Indien, also alles kein Problem. Der Fahrer krempelte seine Bekleidung hoch, watete durch das Wasser und verschwand um die Ecke. Kurze Zeit später kam er mit zwei jungen Männern auf Motorrädern wieder. Zuerst fuhren sie uns und danach unser Gepäck zum Hotel. Und alles blieb trocken! 🙂

Aussicht vom Balkon

Die neue Unterkunft war sehr heruntergekommen und muffig, aber für uns war das in dem Moment völlig okay. Der Besitzer des neuen Hotels erzählte uns später bei einem Bier, dass ein solcher Zyklon aus der Vornacht eigentlich gar nicht typisch für die Jahreszeit wäre. Das unerwartete Hochwasser hielt noch einige Tage an.

Am 24. Oktober machten wir eine Bootsfahrt über die „Backwaters“. So wird das Netz aus Kanälen genannt, welches den dort Ansässigen als Verkehswege dienen. Außerdem wird das grünbraune, sehr dreckig und unglaublich trübe Wasser zur Körperpflege, zum Wäschewaschen, Kochen, etc. benutzt.

Hier bekamen wir die Auswirkungen des Zyklons besonders zu spüren. Während der Fahrt sahen wir, dass das Wasser an vielen Stellen über das Ufer trat. Dadurch waren unglaublich viele Häuser überschwemmt, Gehwege unter Wasser und sämtliche kleine Kanäle nicht mehr passierbar. Denn es gab zu wenig Platz unter den kleinen Brücken, die über den Kanälen errrichtet waren, um mit einem Boot darunter hindurch zu fahren. Es war traurig zu sehen, wie die Einheimischen mit Gummistiefeln durch ihre überfluteten Häuser liefen, in denen sie gezwungenermaßen noch lebten. Denn Notunterkünfte oder ähnliches gab es nicht.

Nach einer Weile legten wir an einem Steg an und gingen zu einem der Häuschen. Hier sollte unser Mittagessen stattfinden. Neben dem Haus spielte eine Gruppe Kinder auf einem Sandberg, denen Levi sich schnell anschloss. Mittagessen war für ihn somit uninteressant geworden. Nils und ich setzten uns an den bereitgestellten Tisch und kurz darauf kam die Schwester des Bootsfahrers zu uns, um uns das Essen zu servieren. Außerdem erzählte sie uns, dass diese starken Überschwemmungen in der Region erst seit den letzten vier Jahren auftreten und auch ihr Haus momentan überflutet sei. Sie zeigte uns verfärbte Stellen an der Wand des Hauses, in dem wir aktuell saßen. Anhand dieser konnte man sehr gut erkennen, wie hoch das Wasser schon einmal stand (ca. einen halben Meter).

Nach dem Mittagessen fuhren wir noch ein bisschen weiter und schnell war die Bootsfahrt um. Am Nachmittag kehrten wir wieder in unsere Unterkunft ein.

Dort verbrachten wir Zeit mit den Mitarbeitern und deren Freunden, die sich täglich bei der Unterkunft trafen. Eine bunt gemischte Truppe, witziger, geselliger Menschen, von denen wir nun, für den Moment, ein Teil waren.

An nächsten Tag war es wieder einmal stürmisch. Nils und Levi gingen zum Strand, um mit den peitschenden Wellen und dem tosenden Meer zu spielen. Dabei erfasste Levi eine der Wellen, die ihn mit aller Wucht mitzureißen drohte. Nils griff nach Levi, um ihn festzuhalten und verletzte sich dabei seinen Finger. Da dieser am nächsten Tag eher schlimmer, als besser aussah, fuhren wir in ein Krankenhaus und ließen den Finger untersuchen. Das Röntgenbild brachte Klarheit und Nils bekam die Diagnose, dass sein Finger gebrochen war. Viel konnte man nicht machen, deshalb bekam er auf Nachfrage eine Schiene, mit derer Hilfe er seinen Finger für mindestens drei Wochen schonen sollte.

Irgendwie war in der Zeit der Wurm drin. Anstatt Indien entdecken zu können, bekam Levi später starkes Fieber. Da es nach ein paar Tagen nicht besser wurde, fuhren wir abermals ins Krankenhaus, um Levi untersuchen zu lassen. Sicher ist sicher und dafür haben wir ja schließlich unsere Krankenversicherung. Die nächsten Tage ruhten wir uns also aus und erledigten einiges an Papierkram. Mit der Zeit ging es Levi wieder besser. Er fing an sich mit den Nachbarskindern anzufreunden und sie regelmäßig zu besuchen. Nils Finger ging es leider unverändert schlecht. Ihm wurde mehrfach dazu geraten, doch zu einer Fingermassage zu gehen. Von der Idee hielt Nils allerdings nicht viel :-D.

In den kommenden Tagen gingen wir regelmäßig im Meer schwimmen, verbrachten Zeit mit unseren neuen Freunden und fuhren mit einer Australierin zu einem der dort bekannten „Snailboatraces“. Das ist ein Ruderbootrennen mit langen schmalen Booten auf denen ca. 20 Leute gleichzeitig rudern. Nach einer Reihe von Wettkämpfen, welche sich über Wochen hinziehen, wird am Ende das schnellste Boot als Sieger gekürt.

An einem Morgen passierte etwas Wunderbares. Wir gingen im Meer schwimmen und gerade, als wir wieder heraus waren, sahen wir eine Gruppe Delfine, die munter umherschwammen und immer wieder aus dem Wasser sprangen. Was für fazinierende Tiere!

Und dann, wurde ich krank. Schnupfen, Schüttelfrost, Fieber; das volle Programm. Wir verschoben unsere geplante Weiterreise ein wenig, aber am Ende musste ich mich doch krank auf den Weg machen. Am letzten Abend in Alapuzzha kochte unser Freund Kuttoose uns ein leckeres Gemüsecurry und wir aßen alle zusammen auf unserem Balkon. Außerdem überreichte er uns ein selbstgebasteltes Büchlein, welches er uns mit auf den Weg geben wollte. Am nächsten Tag fuhren wir dann schwerenherzens zurück zum Flughafen in Kochi, um zu unserem neuen Ziel aufzubrechen. Ein geeignetes Zugticket haben wir leider wieder nicht ergattern können, das haben wir nicht so drauf und so blieb uns nur ein Flug.

Kurz bevor wir den Flughafen erreichten, bekamen wir per Nachricht mitgeteilt, dass unser Flug sich verspäten wird. Deswegen hielten wir spontan an einem Restaurant an und holten uns etwas zu Essen heraus. Wir setzten unsere Fahrt fort und kamen viel zu früh am Flughafen an. Das im Vorfeld gekaufte Essen, welches aus Curry und Reis bestand, bekamen wir problemlos durch die Flughafenkontrollen. Ebenfalls einen Tee, den wir nicht zurücklassen wollten. Sehr entspannt die Mitarbeiter.

Am Gate aßen wir unser Essen. Der Abflug verspätete sich insgesamt um 2 ½ Stunden. Je später es wurde, desto schlapper fühlte ich mich und allmählich sank die Laune. Spät in der Nacht landeten wir in Goa, holten uns ein Taxi und fuhren damit zu unserer gebuchten Wohnung. Müde kamen wir gegen 4 Uhr an, hörten uns die kurze Einweisung des Gastgebers an und legten uns schlafen. Endlich angekommen.

Veröffentlicht von losgerollt

Wir sind seit dem 19.07.2019 auf Weltreise und können unser Glück immer noch kaum fassen. Für uns gibt es nichts Schöneres, als ganz viel Zeit mit der Familie zu verbringen und fremde Orte zu entdecken.

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten