#48 Ninh Binh

5. März 2020

Wir stiegen also in den Nachtzug in „Dong Hoi“. Um 0.50 Uhr ging die Fahrt los und wir buchten uns spontan auch noch ein viertes Bett dazu, damit wir sicher eine ganze Kabine für uns hatten; das Licht ausmachen und abschließen konnten, wann immer wir wollten. Ohne, dass uns jemand störte. Die Kabine war recht klein und das 4. Bett musste als Gepäckablage dienen, damit wir uns noch frei bewegen konnten. Aber sauber war es und die Betten bequem. Es war sogar gemütlicher, als in manch einem Hotelzimmer, in dem wir bisher übernachtet haben. Besonders für Levi war das alles total aufregend. Er wollte unbedingt in einem der oberen Betten schlafen und so legte ich mich zusammen mit ihm hin, bis er einschlief. Etwa eine Stunde nach Abfahrt kletterte ich dann wieder runter zu Nils und es verging eine weitere Stunde, bis auch wir schliefen. Alles in allem gefiel uns die Fahrt super und wir würden jederzeit wieder einen Nachtzug nehmen. Das einzig wirklich Doofe waren die ekeligen Toiletten, welche bestialisch stanken.

Etwa 9 Stunden später erreichten wir morgens unser Ziel und stiegen in „Ninh Binh“ wieder aus. Trotzdem wir ziemlich gut geschlafen hatten, waren wir total erledigt. Außerdem war es plötzlich bitterkalt und es regnete in Strömen. Deshalb fuhren wir schnell mit einem Taxi zum Hotel.

Dieses lag wiedermal außerhalb, aber das hatten wir uns bewusst so ausgesucht. Um das Hotel herum befand sich eine malerische Landschaft, voll mit Reisfeldern, Flüssen, Teichen, Brücken und Kalksteinfelsen. Außerdem waren überall Ziegen und Wasserbüffel. Diese Region wird auch gerne „trockene Halong Bucht“ genannt, weil sich die Landschaften sehr ähnlich sind. Obwohl sich bei uns definitiv weniger Wasser umzu befand.

Das Hotel verfügte über große, saubere Zimmer mit Balkon/Terrasse und tollem Ausblick. Es gab einen schön angelegten Garten, indem sich ein Pool befand. Auch ein Restaurant mit Billiardtisch, einen Rollerverleih und ein Ticketschalter gab es, sodass man rundum sehr gut versorgt war. Auch hier trafen wir wieder auf unglaublich liebe Besitzer, Mitarbeiter und Nachbarn.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, gingen wir erst einmal etwas frühstücken. Danach legte Nils sich eine Runde ins warme Bett. Levi und ich zogen uns dicke Klamotten an, packten die neu erworbenen Malsachen aus und fingen an zu tuschen, was das Zeug hielt.

Nachdem wir fertig waren, bauten wir noch eine der neuen Legopackungen auf und dann wurde uns so kalt, dass wir quasi alles anzogen, was wir besaßen und eine Runde spazieren gingen, um uns aufzuwärmen. Es war nebelig, regnerisch und kalt, aber die Landschaft sah trotzdem beeindruckend aus. Irgendwie hatte das Ganze eine besonders mystische Atmosphäre durch den für Vietnam fast schon typischen Nebel.

Levi und ich rannten, kickten Steine über die Straße und Levi kletterte auf Kieselberge, die bei einer Baustelle aufgeschüttet waren. Dies wurde seine neue Ritterburg und ein wildes Spiel begann.

Immer wieder kamen Menschen her, die zwar kein Englisch sprachen, sich aber trotzdem gerne unterhalten wollten. Das war schon witzig.

Langsam wurde uns glücklicherweise auch wärmer und nach einer Stunde gingen wir zurück und weckten den Papa.
Danach quatschten wir eine Runde mit drei Deutschen, die gerade angekommen waren und eine Radtour durch Vietnam machten. Sehr cool, wie wir finden. Wir tauschten Reiseberichte aus und verstanden uns sehr gut. Außerdem waren die drei total kinderlieb und so fand sich immer jemand, der mit Levi spielte.
Abends aßen wir noch etwas und dann ging Levi ins Bett, während Nils und ich auf dem Balkon saßen und den lauten Fröschen aus der Umgebung bei ihrem Konzert zuhörten.

6. März 2020


Auch am nächsten Tag war das Wetter noch nicht viel besser. Es war zwar einen kleinen Tick wärmer, aber es regnete immer noch und uns war klar, dass wir auf jeden Fall noch warme Kleidung brauchten. Vor allem, wenn es in ein paar Tagen in den Nordosten nach Sapa ging, wo es noch kälter sein sollte.

Deshalb fragten wir unsere Gastgeberin nach dem Frühstück, ob sie uns einen Laden empfehlen könnte, in dem wir Hosen bekommen. Kurzerhand packte diese ihre Sachen zusammen und bot an, uns den Weg zu zeigen. Sie fuhr vor und wir mit einem geliehenen Roller hinterher. Wir gingen in einen Shop nach dem nächsten und fanden viele schöne Kleidungsstücke. Leider aber passte uns nichts davon, denn die Klamotten waren definitiv auf die Einheimischen angepasst und wir zu breit und zu groß dafür.
Nach einer Weile trennten wir uns von unserer netten Begleitung und fuhren alleine weiter, ins Zentrum von Ninh Binh. Dort, so sagte sie uns, wären viele weitere Läden, in denen wir fündig werden könnten. Je näher wir dem Zentrum kamen, desto hektischer wurde auch der Verkehr: Aus Deutschland gewohnte Straßenregeln galten mal wieder nicht und jeder fuhr, wie er wollte. Wir mittendrin. Glücklicherweise ging alles gut und eine halbe Stunde später standen wir vor einem weiteren Geschäft, welches uns empfohlen wurde.

Nach langem Suchen fanden wir immerhin zwei Männerpullover in XL, die uns passten. Sie waren super dick, aus Wolle und gerade um 70% reduziert, also schlugen wir zu. Etwas anderes Passendes konnten wir an dem Tag nicht mehr finden, deshalb machten wir uns auf den Rückweg. Dabei fiel uns auf, dass unser Licht nicht funktionierte. Da es mittlerweile aber schon dunkel war, wollten wir so nicht mehr fahren. Deshalb riefen wir in unserer Unterkunft an und kurze Zeit später kam netterweise jemand vorbei, der mit uns den Roller tauschte. So fuhren wir mit dem neuen Roller sicher zurück, während der andere repariert wurde.

Ohne Licht wäre die Rücktour wohl auch nicht gut verlaufen, denn sobald wir das Zentrum verlassen hatten, waren die Straßen nicht mehr beleuchtet, dafür aber übersät mit Schlaglöchern.

Am nächsten Tag wollten wir einen Ausflug machen. Vorher mussten wir allerdings noch tanken, deswegen fuhren wir zu einer Zapfsäule um die Ecke. Der Mann, der diese bediente, rutschte derweil mit dem Schlauch ab und goss einiges an Benzin über unsere Sachen, die im Helmfach lagen. Etwas angefressen machten wir uns zurück zur Unterkunft, denn das musste sauber gemacht werden. Leider dauerte dies länger als erwartet und so verschoben wir unseren Ausflug um einen weiteren Tag. Wir entschieden uns dafür, trotzdem noch einkaufen zu fahren und kurze Zeit später fanden wir uns erneut auf der viel befahrene Straße wieder.

Und plötzlich bauten wir beinahe einen Unfall. Die Straße bestand aus drei Spuren, wobei die rechte den Standstreifen darstellte, der hin und wieder durch Fahrzeuge blockiert wurde. Wir fuhren also auf der mittleren Spur, um keine schnell fahrenden Laster zu blockieren. Plötzlich hörten wir ein lautes Hupen. Ich drehte mich um und erschrak, denn ich sah einen Bus auf uns zurasen kommen, der keine Anstalten machte, langsamer zu werden. Die linke Spur war von zwei Lastern versperrt. Schnell versuchte ich Nils zu sagen, dass er sofort nach rechts fahren soll, aber er verstand mich nicht. Da sein Seitenspiegel nur lose herunterging und damit seinen Dienst verfehlte, begriff Nils die Situation erst spät und konnte im letzten Moment gerade noch nach rechts rüber ziehen. Sekunden später bretterte der Bus an uns vorbei. Die fahren hier echt wie die Bekloppten. Mit zitternden Knien erreichten wir den Supermarkt und fuhren auf dem Rückweg noch eine Nummer vorsichtiger, als sonst eh schon.

Als wir zurück kamen war die Anlage total schön beleuchtet und wir schenkten der Frau, die uns heute begleitet hat, noch eine Blume, als Dank für ihre Hilfsbereitschaft. Danach setzten wir uns wiederholt mit den anderen deutschen Reisenden zusammen und gingen dann schlafen.

8. März 2020

Als wir aufwachten war es unerwartet heiß. Wirklich gut also, dass wir uns die XL Woll – Pullis besorgt hatten! 😀

Wir machten unseren verschobenen Ausflug und fuhren nach „Tam Coc“. Unser eigentliches Ziel war es, auf einen Viewpoint zu kommen, auf dem man die Landschaft gut überblicken können müsste. Leider fanden wir den Weg nicht und es schien, als könnte man den Ort nur per Boot erreichen. Wir hatten aber keine Lust auf eine Bootsfahrt und so fuhren wir einfach ein bisschen mit dem Roller zwischen den Reisfeldern umher. Dabei bedachten wir nicht, dass die Straßen,aufgrund des Regens der letzten Tage, recht schlecht sein könnten und so steckten wir wenig später in der rot lehmigen Matsche fest. Wir brauchten ein paar Anläufe, um den Roller wieder zu befreien, machten uns total dreckig und beinahe rutsche Nils auch noch mit dem Roller weg. Was für ein Spaß! Die Reisfelder drumherum waren aber wirklich schön anzuschauen.

Wir kauften ein paar Postkarten, eine neue Regenjacke für Nils und setzten uns dann in ein Restaurant. Wir bestellten Kartoffelsuppe, Bratreis mit Gemüse, vegetarische Frühlingsrollen und schlugen uns die Bäuche voll. Danach wollten wir eigentlich noch zum „Hang Mua Viewpoint“, aber Levi hatte keine Lust mehr. Ihm war heiß und er wollte zurück. Deswegen gab es noch ein Oreo Eis im Hörnchen und dann fuhren wir durch die wundervolle Landschaft wieder zurück. Was das Bild ein bisschen trübte, waren die toten und flambierten Ziegen, welche überall am Straßenrand präsentiert und verkauft wurden. Eine richtige Delikatesse in Ninh Binh, die wir nicht probierten. Wir erfreuten uns lieber an den riesigen Herden, die alle quicklebendig am Straßenrand liefen.

Am Abend freuten wir uns, da mittlerweile ein bisschen Geld für die Stornierungen zurückerstattet wurden und unsere Reisekasse wieder füllten.

Veröffentlicht von losgerollt

Wir sind seit dem 19.07.2019 auf Weltreise und können unser Glück immer noch kaum fassen. Für uns gibt es nichts Schöneres, als ganz viel Zeit mit der Familie zu verbringen und fremde Orte zu entdecken.

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