#49 Flucht aus Hanoi & kurzes Update

9. März 2020

Gestern Abend hatten wir uns spontan ein Weiterreiseticket nach Hanoi gekauft und wurden mittags von einem Van abgeholt. Nach einer kurzen Fahrt mussten wir in einen anderen Van umsteigen. In diesem saß außer uns nur eine weitere Person. Ein Franzose, der in Hanoi wohnte und zurück zu seiner Frau wollte. Ansonsten waren alle Plätze frei, weshalb wir uns gut ausbreiten konnten. Der Van war richtig bequem und luxuriös, so etwas hatten wir noch nicht gesehen. Die Sitze waren breit, gut gepolstert und man fühlte sich, als säße man in einem gemütlichen Sessel, Massagefunktion inklusive.

Innerhalb von einer Stunde erreichten wir Hanoi und stiegen aus, kurz bevor wir die Altstadt erreichten. Von dort aus nahmen wir uns ein Taxi, um zu einem OYO Hotel zu fahren, welches sich 17 Kilometer außerhalb vom Zentrum befindet. Wir dachten, dass das eine gute Alternative wäre, da wegen dem Corona Virus schon eine Straße in Hanoi unter Quarantäne stand und die Menschen langsam durchdrehten.

Als wir bei dem von Booking angegebenen Standort waren, befand sich dort aber leider weit und breit kein Hotel. Nach einer 40 minütigen Suche und einem Tipp von einem Einheimischen, fanden wir das Hotel dann endlich, einige Kilometer entfernt. Das ging leider ganz schön ins Geld, aber wir hatten ja keine Alternative. Glücklich, hungrig und k.o. gingen wir die Treppen zum Hotel herauf. Beim Einchecken wurde uns dann plötzlich mitgeteilt, dass das Hotel keine Ausländer mehr aufnehmen dürfte. Das wäre eine aktuelle polizeiliche Anordnung und sie wollten keine Ausnahme machen. Zu groß war die Sorge vor dem Virus. Wir diskutierten noch einige Zeit, aber es half nichts. Wütend gingen wir wieder heraus und fingen an, nach anderen Unterkünften zu suchen. Wir buchten, telefonierten und fuhren zu den Unterkünften hin, doch auch das half nichts. Keiner wollte uns aufnehmen. Die Leute mieden uns und wechselten beinahe die Straßenseite, wenn sie uns sahen. Als wären wir das Böse in Person. Das war ein ganz ganz schreckliches Gefühl und wir waren froh, als wir nach frünf Stunden Sucherei jemanden fanden, der uns ganz heimlich unter der Hand in sein Homestay ließ. Nichtmal den Reisepass sammelte er ein, was total untypisch für Vietnam war. Aber der Mann wollte uns nicht melden, denn keiner sollte wissen, dass wir da waren. Außerdem war es ihm wichtig, dass wir sofort bezahlten und am nächsten Morgen verschwunden waren. Mir kamen die Tränen, so fix und fertig war ich. Die Situation konnte ich nicht so richtig verstehen. In dem Moment war ich ganz schön enttäuscht über die Menschen und Maßnahmen, die ergriffen wurden.

Wir aßen noch schnell etwas und dann legten wir Levi schlafen. Anschließend telefonierte ich mit meinem Vater. Nils und ich entschlossen uns dazu, auch unsere restlichen Pläne für Vietnam über den Haufen zu werfen. Wir buchten uns spontan Flugtickets nach Thailand und wollten versuchen am nächsten Morgen über die Grenze zu kommen. Hauptsache schnell weg von der aktuellen Risikozone. Wir wollten an einen Ort, an dem wir uns wohl fühlten und wir im Fall der Fälle Leute kannten und gut versorgt sein würden.

Veröffentlicht von losgerollt

Wir sind seit dem 19.07.2019 auf Weltreise und können unser Glück immer noch kaum fassen. Für uns gibt es nichts Schöneres, als ganz viel Zeit mit der Familie zu verbringen und fremde Orte zu entdecken.

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