22. Oktober 2020
Am nächsten Morgen begrüßte Rumänien uns mit bestem Wetter. Da das erste Mal seit Tagen die Sonne schien, entschieden wir uns dazu, draußen zu kochen und zu frühstücken, am Ufer neben dem Fluss.

Nach einem gemütlichen Vormittag buchten wir uns eine Wohnung über Airbnb, denn Levis Klamotten mussten dringend gewaschen werden. Uns erwartete eine große, helle Wohnung mit Badewanne und Dachterrasse. Hier verbrachten wir zwei Nächte und dann ging es weiter.
Rumänien machte es uns von Anfang an sehr einfach. Wir fühlten uns sofort wohl in diesem Land. Wir standen ein paar Tage in Rumäniens schöner Natur, umgeben von Marienkäferschwärmen, die herbstlichen Bäume voller buntem Laub. Da Freistehen in dem Land erlaubt ist und es schöne einsame Plätze wie Sand am Meer gab, genossen wir die Zeit umso mehr. Wir bauten ein begrüntes Tipi, waren an der frischen Luft und begegneten sogar einem Feuersalamander.
Wir fühlten uns wohl in unserem neuen zu Hause, in unserem liebevoll gestalteten Van. Und wir fühlten uns immer noch wohl bei dem, was wir taten. Voller Vorfreude blickten wir auf die kommende Zeit.
Wir verbrachten eine weitere Nacht mitten im Nirgendwo. Soweit wir das bei den schwachen Lichtverhältnissen feststellen konnten, standen wir umgeben von Wiesen auf einem Parkplatz. War uns aber auch relativ egal, denn es war spät und wir waren müde.
Am nächsten Morgen wachten wir auf, stolperten verschlafen aus unserem Van und waren umgeben von Schafen. Eine ganze Herde graste rundherum. Der Schäfer stand in der Nähe und war sichtlich froh uns zu sehen, wir waren total überrumpelt. Wir sprachen leider keine gemeinsame Sprache, dennoch verstanden wir, dass der Hirte Probleme mit seinem Handy hatte. Der Flugmodus war eingeschaltet, aber egal was wir taten, wir bekamen ihn nicht raus. Nach einer Stunde gaben wir auf, denn wir fanden keine Lösung. Der Hirte verabschiedete sich von uns und wir fuhren weiter.
Wenig später hielten wir bei einer Kirche, fütterten ein paar Straßenhunde und gaben einer bettelnden Frau Obst, über das sie sich sehr freute. Mit Armut waren wir in den kommenden Tagen immer wieder sehr konfrontiert. Egal wo lang wir fuhren, überall begegneten uns verwahrloste Kinder, Bettler, Straßenhunde, Prostituierte… Einmal mehr wurde uns bewusst, wie privilegiert wir sind. Wir versuchten zu helfen, wo es ging. Kauften mehr Hundefutter, Wasser und Obst, um dieses bei Gelegenheit weitergeben zu können. Und wir dachten noch oft an den Schäfen, dessen Namen wir nicht einmal wussten und der so ein hartes Leben führte.
Am 26. Oktober buchten wir uns ein Hotelzimmer im „Cazare Bran ieftina ELLA Manson“, etwas außerhalb des Örtchens „Bran“. Denn wir brauchten dringend wieder eine warme Dusche und frische Klamotten. Uns empfing ein kommunikativer Gastgeber, der großes Interesse hatte, mehr von uns zu erfahren und Wissen über sein Land weiterzugeben. Stundenlang quatschen wir über Gott und die Welt. Abends schlenderten wir durch den kleinen Ortskern und erhaschten einen ersten Blick auf die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Rumäniens, das Schloss Bran.
Wir setzten uns in ein Restaurant, bestellten uns Abendessen und ließen den Tag ausklingen. Zum Nachtisch gab es „Baumstriezel“, unglaublich lecker, vor allem, wenn er gerade frisch vom Feuer kommt und noch richtig warm ist.
Am nächsten Morgen machten wir uns, nach einem leckeren Frühstück, auf den Weg zum Schloss Bran (auch Törzburg genannt). Um dieses ranken sich seit Jahren viele Geschichten von Dracula, dem Fürst „Vlad III. Draculea“. Auch wenn dieser die Burg wohl nie betreten hat. Die Ausstellung war interessant. Die Burg bietet lauter kleine Wege und Korridore, ist sehr verschnörkelt und wunderschön. Es machte uns sehr viel Spaß durch die Burg zu laufen, immer treppauf, treppab. Bis wir im oberen Stockwerk ankamen. Dort wurden per Leinwand gruselige Szenen von Sagengestalten und Dracula gezeigt, vor denen Levi sich sehr fürchtete. Levi zog es ab diesem Moment vor, lieber auf dem schützenden Arm von Nils platz zunehmen. Wir verließen diese Räume schnell wieder und liefen in Richtung Ausgang. Leider blieben die Sequenzen noch einige Tage in Levis Kopf und sorgten für unruhige Nächte. Irgendwie doof, dass vorher keine Warnung stand, sodass man mit Kindern vielleicht besser einen anderen Weg gegangen wäre. Trotzdem ist die Burg wirklich einen Besuch wert.

Später fuhren wir weiter durchs herbstliche „Siebenbürgener Land“. Und dieses hat wirklich einiges zu bieten, egal wohin wir schauten, es war zu schön, um wahr zu sein. Dieses ursprüngliche Land mit all seinen Holzkutschen und Schafhirten, mit den vielen Bergen und den bunten Herbstfarben. Wir verliebten uns ziemlich schnell und es steht fest, dass wir definitiv wiederkommen werden. Aber jetzt mussten wir erst mal weiter, denn die Corona Situation verschlechterte sich in Europa wieder deutlich und immer mehr Länder schlossen ihre Grenzen. Dabei wollten wir doch in den Süden…!

























