#60 Elea Beach

Über die Schreibweise dieses Ortes scheiden sich übrigens die Geister!

03. November 2020

An der Grenze zu Griechenland wurden wir von sehr unfreundlichen Grenzbeamten in Empfang genommen. Sie checkten unser Fahrzeug, unsere Papiere und wir mussten erneut einen Test machen, das Ergebnis sollten wir innerhalb von 48 Stunden per SMS bekommen (allerdings nur bei positiven Ergebnis, ansonsten bekäme man keine Nachricht) und uns solange selbst isolieren.

Und dann waren wir endlich in GRIECHENLAND! Unsere Freude war riesig! Wir hatten es geschafft! Nun konnten wir endlich entspannter unterwegs sein und mussten nicht mehr ständig checken, wie unsere Weiterreise aussehen könnte. Denn wir waren angekommen und wollten so schnell auch nicht mehr weg!

Da sich der Norden des Landes aber bereits im Lockdown befand, machten wir noch, ein vorerst letztes Mal, ordentlich Strecke und schliefen in „Patras“. Dort ruhten wir uns etwas aus, wuschen unsere Wäsche im günstigen und für griechische Verhältnisse schnellen „Easy Wash Self Service Laundromat“, besorgten ein paar notwendige Teile im Baumarkt, gingen einkaufen.

Hier noch ein kleiner Tipp: Wenn man vom Festland nach Patras auf die Halbinsel Peloponnes möchte, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man fährt wie wir Doofis über die Brücke und zahlt dafür 20 Euro, oder aber man fährt mit der Fähre, die unterhalb der Brücke ablegt und spart dadurch einiges an Geld, wie wir wenig später erfuhren..!

Spät abends kamen wir ein paar Tage später auf den Peloponnes an. Durch soziale Medien waren wir immer wieder im Kontakt mit anderen reisenden Familien. Die Mehrheit von ihnen befand ich an einem etwa 5km langen Strandabschnitt, dem „Elea Beach“. Wir wurden direkt von einer Familie empfangen, welche einen Abendspaziergang machte. Wir aßen zusammen, quatschen bis spät in die Nacht und die Kinder zündelten mit Feuer, welches aber eigentlich verboten ist, wie wir wenig später erfuhren.

Wie wir am nächsten Morgen feststellten, waren diese bereits erwähnten Familien nicht die einzigen, die sich hier vorübergehend niedergelassen hatten. Während wir über das Gelände liefen sahen wir unzählige Camper unter Bäumen, auf Lichtungen, am Meer stehen. Und die Tage über kamen immer mehr Fahrzeuge an. Vans, Wohnmobile, Overlander, umgebaute Pickups und sogar 2 Wohnwagen standen da. Es war alles dabei. So unterschiedlich, wie die Fahrzeuge, so waren auch deren Insassen. Familien, Pärchen, Singles, Rentner, Hunde, Urlauber, Langzeitreisende, Vollzeitreisende, Freigeister, Geschäftsleute, Lehrer, Musiker. Aus allen Schichten, in jedem Alter, aus verschiedensten Nationalitäten, mit diversen sexuellen Vorlieben. Gezählt wurden zum Höhepunkt 150 rollende Zuhause. Überall wurde gewerkelt, gespielt, gequatscht, geschaffen, geholfen, gelacht. Es entstanden Schaukeln, Waschtische & Duschen an den drei öffentlichen Wasserhähnchen. Verkaufsständchen mit Olivenöl, Obst, Gemüse & Schmuck wurden aufgebaut und Workshops für Yoga, Makramee & Co angeboten. Jeden Morgen fuhr ein Bäcker mit seinem Laster über den Platz und verkaufte Brot, Brötchen, Feta – Spinat – Täschchen, Schokocroissants, Pizza, Eier, Milch & Co. Auf Wunsch und Bestellung auch andere Waren. Im Örtchen nebenan öffnete die „Filia Laundry“ ihre Pforten. Betrieben von zwei deutschen Auswanderern mit ihren 4 Hunden, konnte man dort nicht nur Wäsche waschen, sondern auch Gasflaschen tauschen und Bioartikel wie Linsen, Tofu, Getreide & Co erwerben.

Zusammen mit dem Markt in einem Dörfchen nahe Kalo Nero und dem 15 km entfernten Lidl war man also bestens versorgt. Mülltonnen gab es jeweils an einem der beiden Ausgängen des Geländes.

Wow, war das ein Flair! Hier ließ es sich schon aushalten. Waren wir auf einem Festival? In einem Hippiedorf? Im Paradies?

Innerhalb von ein paar Tagen taten wir uns mit einer Gruppe anderer Familien zusammen und bildeten ein eigenes kleines Camp, zu dem in den nächsten Tagen auch noch ein paar andere Familien dazustießen. Es begann die beste Zeit, die wir uns nur hätten wünschen können.

„Und nun liege ich wie ein paniertes Schnitzel am Strand, lasse die Sonne auf meinen Körper scheinen und genieße die Ruhe, denn neben dem Meeresrauschen höre ich nichts. Ich bin gerade einfach nur glücklich, es fühlt sich so richtig an, hier zu sein, so gut!“ schreibe ich auf.

Die letzten Tage haben wir damit verbracht, unser Lager aufzuschlagen. Wir haben uns sichtgeschützte Duschkabinen aus angespültem Treibholz und Planen gebaut, aus herumliegenden Steinen Terrassen gepflastert und Wäscheleinen gespannt.

Endlich haben wir mal wieder so richtig Zeit. Zeit zum Spielen, zum Toben und tatsächlich auch mal Zeit, um ein Buch zu lesen.

Franzi (https://www.instagram.com/mehr_als_essen/?hl=de) hat mir vor unserer Abreise zwei Bücher mitgegeben. In eines davon bin ich gerade sehr vertieft, der Autor spricht mir immer wieder aus der Seele, denn viele Geschehnisse haben wir genau so erlebt. („Sechs Paar Schuhe“, von Maria und Thor Braarvig)

Wir genossen die Zeit, liefen durch die vielen duftenden Thymianbüsche, die den Strand säumten, schauten uns das Bootswrack an, welches vor Jahren an den Strand gespült wurde, beobachteten die Schafeherde, welche täglich am Strand entlangkam, machten eine Schatzsuche, gingen schwimmen, schauten in den klaren Sternenhimmel, spielten „Speedminton“, machten Lagerfeuer und sandelten (Danke Patrick, für mein neues Lieblingswort!).

Wir Erwachsenen setzten uns in großen Stuhlkreisen zusammen und quatschen stundenlang, während die Kinder mal mehr, mal weniger friedlich miteinander spielten. Lieblingsspiele waren hier definitiv Polizei und „Dragons“. Hin und wieder fuhr sich mal ein Camper im sandigen Untergrund des Geländes fest, was bei einigen Kindern definitiv den Höhepunkt darstellte.

Immer wieder aßen wir gemeinsam, einmal bestellten wir uns mittags griechisches Essen aus einer nahegelegenen Taverne. Am „Martinstag“ wurden Laternen gebastelt. Abends fanden sich beinahe alle Familien zusammen: Wir liefen eine kurze Runde leuchtend über das Gelände und sangen bekannten Liedern. Wir waren alle Gleichgesinnte, das war ein sehr angenehmes Gefühl, was wir vorher so nie verspürten.

Was wir auch sehr genossen war, das wir einander halfen. Ging bei dem einen der Kühlschrank kaputt, wurde bei einem anderen einfach etwas Platz in der Kühlung geschaffen. Ging einem der Strom aus, wurde von einem anderen Strom rübergeladen. Verlies einer doch mal das Camp und ging einkaufen, wurde für alle anderen mit eingekauft. Brachte einer seinen Müll weg, wurde auch bei allen anderen nochmal Müll eingesammelt. Wir unterstützen uns gegenseitig bei der Beaufsichtigung der Kinder und schafften somit angenehme Freizeit.

Dank unserer lieben Freunde Mel und Dietmar stand uns sogar rund um die Uhr ein elektrisches Lastenrad zur Verfügung, was gerne genutzt wurde, um unsere Wassertanks aufzufüllen. Auch die Kinder hatten einen Heidenspaß dabei, mit diesem Gefährt herumgefahren zu werden.

Das schrecklichste Erlebnis dieser Zeit war definitiv der, als ein kleines Mädchen vom Baum fiel und sich dabei ihre Lippe sehr verletzte. Es folgten nervenaufreibende Stunden, bis der kleinen Maus geholfen werden konnte. Zum Glück steckte sie es aber besser, als erwartet weg und spielte nur wenige Tage später mit vollem Elan weiter.

Danke, Mel & Dietmar, Natascha & Niklas, Patrick & Verena, Ina & Philipp, Tammo & Friederike, Belle & Andi, Bettina & Armin und all euren wundervollen Kindern für diese einzigartige Zeit!

Veröffentlicht von losgerollt

Wir sind seit dem 19.07.2019 auf Weltreise und können unser Glück immer noch kaum fassen. Für uns gibt es nichts Schöneres, als ganz viel Zeit mit der Familie zu verbringen und fremde Orte zu entdecken.

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