25. April 2021
Am 23. April ging es wiedermal per Bus weiter, nach „Merida“, der größten Stadt auf der Yucatan – Halbinsel. Diese Stadt erschlug uns nach unserer Ankunft, sie war viel größer und unübersichtlicher, als gedacht. Irgendwie nicht so harmonisch wie „Valladolid“. Auch unser Hotel war eine reine Katastrophe. Kurzum hier fühlten wir uns überhaupt nicht wohl, hier wollten wir nicht bleiben, sondern weg. Deswegen änderten wir wiedermal unsere Route, skippten „Merida“ und damit auch „Izamal“ und „Chelestun“ und fuhren schon am nächsten Morgen weiter. Wir verließen die Yucatan – Halbinsel, fuhren durch die Bundesstaaten „Champeche“ & „Tabasco“ und landeten schließlich in „Chiapas, Palenque“. Was uns sofort entgegenschlug? Diese Hitze. Diese feuchte, schwüle Luft.
Das Zentrum ist nicht unbedingt sehenswert, eher etwas deprimierend. Aber entlang der Straße, welche im Zentrum startet und zu den Maya – Ruinen führt, beginnt der Dschungel. Überall sind hohe, dichte Bäume, bunte Pflanzen und Tiere. Meist sieht man sie nicht, dafür hört man sie aber sehr wohl!
Unser Hotel „La Aldea“ befand sich an eben dieser Straße, ein ganzes Stück in den Dschungel hineingebaut. Unser Bungalow war einfach, aber geräumig und zu unserer großen Freude klimatisiert. Es gab einen Pool, einen SPA – Bereich und ein Restaurant. Sonst nichts, außer weitere Bungalows und die Natur. Überall flogen Schmetterlinge durch die Gegend, Echsen flitzten an uns vorbei. Und wir sahen unseren ersten Kolibri. Oh war der klein und schnell und bunt und hübsch anzusehen. Während der nächsten Tage sahen wir immer wieder welche an uns vorbeiziehen. Auch Ameisen gab es zur Genüge und bevorzugt abends brummten dicke braune Käfer an uns vorbei, immer auf der Suche nach Licht. Ein einziges Mal sahen wir abends im Gebüsch ein Opossum!
Am ersten vollen Tag entspannten wir uns und genossen die Atmosphäre. Wir lagen in der Hängematte auf unserer Terrasse, schwammen ein paar Runden im Pool, akklimatisierten uns bei 45 Grad plus und ich gönnte mir abends eine langersehnte Ganzkörper – Massage und noch eine kleine Gesichtsmaske dazu.
Am nächsten Morgen standen wir noch vor Sonnenaufgang auf (und das ist bei uns wirklich eine Seltenheit). Wir hatten am Vortag einen Ausflug mit dem Touranbieter „Tulum“ gebucht. Man versprach uns gutes Essen, ein authentisches Dörfchen, einen echten Dschungel voller Tiere, insbesondere Affen. Doch was wir bekamen, was das komplette Gegenteil. Morgens ging es in ein Touri – Abfertigungs – Lokal vom Allerfeinsten. Lieblos wurde der Teller bei der Essensausgabe mit Reis, Bohnen und Obst gefüllt. Nach einer weiteren Fahrstunde wurden wir zusammen mit einem Dänen beim „Lancandon Reservat“ rausgesetzt. Wir wurden von einem langhaarigen Jungen begrüßt, der in ein weißes Gewand gehüllt war und schon stapften wir los. Die Luft war schwül und unser Guide legte ein ganz schönes Tempo vor. Wir hetzten also durch die Bäume hindurch, immer begleitet von dem lauten Geräuschen der Zikaden. Blieben nur wenige Mal stehen, um etwas über ein paar Pflanzen erzählt zu bekommen und liefen dann weiter. Der Schweiß rann uns über die Stirn, eine Schlange schlängelte sich über den Weg und dann standen wir vor einer kleinen Ruine auf einem Berg. Leider sprach unser Guide nur Spanisch und unser Spanisch war weit davon entfernt, um mit Dschungelvokabular kommunizieren zu können. Deshalb gab es ununterbrochen Verständigungsprobleme. Zu unserer Verwunderung drehten wir kurze Zeit später um und liefen exakt den gleichen Weg wieder zurück. Unsere Verwunderung stieg immer mehr. Wo war denn jetzt der dichte Urwald, wo waren all die versprochenen Tiere? Genau den gleichen Spaziergang hätten wir auch gegenüber vom Hotel machen können, kostenlos… Wir machten noch einmal kurz Halt bei einem Wasserfall und standen einige Zeit später wieder in dem Dorf, in welchem wir Stunden zuvor angekommen waren. Wir waren total enttäuscht, weil wir uns die Tour definitiv anders vorgestellt hatten und sie auch nicht ganz billig war. Das Mittagessen, welches uns etwa eine Stunde später von zwei Frauen serviert wurde, war auch weniger einladend. Matschiger Reis und eine völlig vertrocknete Hähnchenkeule für jeden. Diese bestand lediglich aus Knochen, nach zartem Fleisch suchte man vergeblich.
Danach hatten wir noch 3 Stunden Zeit, in der wir das tolle Dorf entdecken konnten, das Problem war nur, was sollten wir denn tun? Es gab nichts gescheites zu Essen, keine angenehmen Aufenthaltsbänkchen, keine Hängematten, nichts Einladendes irgendwie. Nur einen Kiosk, bei dem wir „Mentos“ und kühle Getränke erwarben. Wir warteten also, gingen nochmal zurück in den Wald, nahmen etwas andere Wege und sahen, dass die Umgebung total abgeholzt war. Wie traurig es war das anzuschauen. Ein intakter Dschungel ist wohl etwas anderes!
Die Stimmung kippte immer mehr und wir waren unendlich froh, als uns am Nachmittag, viel zu spät als vereinbart natürlich, der Minivan wieder abholte. Es folgte eine laute, holprige, nervenaufreibende Rückfahrt. Wir waren so enttäuscht, dass wir celten die Tour für den Folgetag direkt cancelten, die wir auch noch gebucht hatten. Die Lust darauf war uns ordentlich vergangen.
Wir folgten also wieder unserem alten Muster und machten uns am nächsten Tag auf eigene Faust auf den Weg. An der Rezeption bestellten wir uns ein Taxi, welches uns ganz bequem für etwa 4 Euro ein Stück weiter fuhr. Wir wollten zu den Ruinen von „Palenque“. Am Eingang bezahlten wir einmal 90 Peso Eintritt für den Nationalpark und einmal 80 Peso, als Eintritt zu den Ruinen. Kinder frei. Leider durfte man seit dem Vorjahr auch hier nicht mehr die Gemäuer erklimmen, welches einem sicherlich tolle Aussichten geboten hätte. Andererseits ist es auch völlig verständlich, denn wenn jährlich zig Touristen über die Ruinen trampeln, werden sie der Welt nicht lange in ihrer vollen Pracht erhalten bleiben. Übrigens sind gerade mal 5% der alten Mayastätte in Palenque ausgegraben. Der Rest liegt noch im Dschungel verborgen. Die Wege dorthin sind aber alle nicht zugänglich. Für unseren Guide, ebenfalls Edgar, zahlten wir 300 Pesos und er war die beste Investition seit Langem. Er konnte so viel Wissen an uns weitergeben, all unsere Fragen beantworten und er ließ uns immer wieder staunen. Er hatte so viel Zeit für uns, viel länger als vereinbart, und war wirklich sympathisch. Auch sein Englisch war hervorragend und er erfreute Levi mit deutschen Wörtern wie „Sonnenfinsternis oder Brüllaffen“. Letztere bekamen wir übrigens leider nie zu Gesicht. Wir hörten sie überall, besonders morgens und abends aber traurigerweise zeigten sie sich uns nie.


By the way, die Ruine war übrigens so so leer, dass wir nur ganz selten hier und da mal einer Person über den Weg liefen. Meistens hatten wir die weiten Flächen ganz für uns alleine. Wie fasziniert wir von diesem cleveren Volk, den Mayas, immer wieder waren. Diese Anlage gefiel uns um Längen besser, als das viel zu touristische „Chichen – Itza“!
Wir erzählten unserem Guide auch von unserer blöden Tour am Vortag und er bestätigte uns, dass dieser Park nur noch als Attrappe für Touris dient, überwiegend abgeholzt ist und die Fläche für Anbau von Mais dient. Recherchen im Internet bestätigten uns das. Wiedermal traurig zu sehen, wozu der Mensch so im Stande ist. Und wir haben es dummerweise (unwissentlich) gefördert, indem wir über vier Stunden dort durch die Gegend gestapft sind.
Für uns war klar, dass wir dringend nochmal in einen richtigen Regenwald in den Amazonas oder nach Costa Rica oder so müssen. Wir möchten Faultiere, Tukane, Spinnen, Schlangen, Nasenbären, Gürteltiere und Affen aller Art sehen. Am liebsten auch einen Jaguar.
Edgar empfahl uns am Ende der Besichtigung noch einen Abstecher über einen kleinen Dschungeltrek, gegenüber des Parkplatzes zu machen. Er verabschiedete sich, wir tranken ein paar kühle, wohltuende Getränke und liefen dann den besagten Pfad entlang. Total schön hier, quasi wie bei unserer gestrigen Tour auch. Nur halt viel günstiger. Aber auch hier sahen wir leider keine weiteren Tiere, die Tageszeit (Nachmittag) war auch keinesfalls geeignet. Unten am Pfad angekommen, fanden wir uns schließlich in einer Kurve wieder, die sich den Berg entlangschlängelte. Noch während wir überlegten, wie wir hier wohl wieder weg kämen, brauste auch schon eines der „Collectivos“ an uns vorbei. Das sind Minibusse, welche überall in Mexiko zu finden sind und einen für wenig Geld von A nach B bringen. Einziger Nachteil: Die Mitnahme von Gepäck ist begrenzt. Die Fahrt war schnell vorbei und der Fahrer hielt vor der Einfahrt zu unserem Hotel. Wir bezahlten ein paar Pesos und mussten uns dann nur noch den Berg hochhieven, auf welchem die Anlage erbaut war. Im Anschluss sprangen wir in den Pool, um uns abzukühlen, aber bei diesem krassen Wetter bot der Pool mehr so Badewannentemperatur. Egal, schwimmen ist immer gut. Im Laufe des Abends lernten wir eine Familie mit ihren beiden Jungs kennen, die ursprünglich aus Deutschland kommt, aus beruflichen Gründen aber schon seit zwei Jahren in Mexiko leben.
Auf der Reise fällt mir immer wieder auf, wie spannend ich es finde, so viele verschiedene Lebenskonzepte durch so viele individuelle Familien kennenlernen zu dürfen. Mir ist mittlerweile bewusst, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt. Mich beflügelt das Gefühl, mein Leben selbst in die Hand nehmen, selber bestimmen zu können. Unabhängig zu sein, das Hobby zum Beruf machen? Warum ausgetrampelte Pfade nehmen, wenn es doch auch so viel mehr zu entdecken gibt?
Schön zu sehen, wie neugierig ich bin, wissensdurstig nach mehr im Leben. So wie bestimmt jeder irgendwie und irgendwann mal.
Was ich jetzt gerade in diesem Moment gerne für immer tun würde?
Reisen! Unser bisheriges Leben genauso weiterleben. Oder vielleicht nicht genauso, denn man kann immer an sich arbeiten. Und es gibt auch immer Verbesserungspotenzial. Aber reisen, neues Lernen, fremde Leute treffen und in ferne Kulturen eintauchen, unbekanntes Essen probieren, Gerüche und Geschmäcker auf sich wirken lassen, Sprachen lernen, einmalige Bekanntschaften machen, Freunde finden. Das war so.. so einfach. Einfach? Nicht immer, aber doch schon sehr oft.
Man konnte sich ausprobieren, wachsen, Fehler machen und neues Entdecken. Schauen, was einem geällt, was nicht. Gucken, was einem wichtig ist oder gut tut, oder eben auch nicht. Dafür hatten wir in den vergangenen Monate sehr viel Zeit und es hat uns ein ganzes Stück weitergebracht. Insofern bin ich unendlich dankbar, für alle die Erfahrungen, ob positive oder negative. Denn sie haben uns zu dem gemacht, die wir jetzt sind.




















































































































































