#63 Mittelalterflair & raue Küste !

04. Januar 2021

Unsere kleine Kolonne zog weiter Richtung Süden des 3. Fingers der Peloponnes. Unser Ziel war ein Strand in der Nähe von „Monemvasia“. Aber erst mal mussten wir diese mordsgefährliche Serpentine wieder heraufkommen…

Am späten Nachmittag, nachdem wir alle nochmal Wasser aufgefüllt haben, kamen wir an und sahen nun auch Natascha, Niklas und die Kids wieder. Wir machten eine kleine Wanderung und schnell ging auch dieser Tag zu Ende.

In den nächsten Tagen verabschiedeten wir uns wieder von Niklas und Natascha, denn wir hatten leider andere Reisepläne. Dann schauten wir uns zusammen mit den Willys „Monemvasia“ an. Ein autofreies, bergiges, mittelalterliches Dorf auf einer kleinen Insel, umgeben vom Meer. Einziger Zugang zum Festland über eine Brücke. Wir mochten die Altstadt mit den vielen vielen Katzen, schlenderten durch schmale Gässchen, über unzählige Stufen und hohe Mauern bis hin zum Leuchtturm und wieder zurück. Leider hatten all die keinen Lädchen geschlossen, dennoch hat uns dieser Ort verzaubert. Er erinnerte mich ein wenig an „Carcassonne, in Frankreich“.

Als wir uns auf den Rückweg zu unseren Fahrzeugen machten, hielt uns ein verärgerter Polizist an, der uns darauf hinwies, dass es nicht erlaubt sei, hier auf Grund des Lockdowns herumzuspazieren. Ups, wussten wir nicht, waren wir doch der Meinung, dass man mit einem dementsprechend ausgefüllten Zettel schon spazieren, Sport machen, zum Arzt fahren oder einkaufen durfte. Er ließ uns ziehen und wir fuhren weiter zum südlichsten Punkt des 3. Fingers, zum „Fossil Forest“, wo die Reise früher ein Ende fand, als uns lieb war.

Aber vorher erlebten wir noch ein paar unvergessliche Tage mit Picknick, spazieren, malen, kochen, Lagerfeuer, Unterhaltungen, spielen, Wein, Bier, entdecken & erkunden.

Der „Fossil Forest“ ist ein ganz besonderes Fleckchen Erde, dort sind sämtliche Muscheln, Baumstämme und Co zu Stein geworden, auch eine Art Geysire gibt es. Außerdem bietet die felsige Klippe ein cooles Panorama, es gibt Wander- und Kletterwege.

Aber am 09. Januar war es dann soweit. Wir mussten Abschied nehmen, denn unser Paket sollte wohl in der nächsten Zeit in „Kalamata“ ankommen und wir hatten uns dazu entschieden, dass wir diesen Winter dringend nochmal richtig in die Sonne wollten. Danach sehnten wir uns sehr.

Nach einem tränenreichen Abschied ging es los. Wir spürten aber, dass wir uns irgendwann, irgendwo auf der Welt wiedersehen würden!
Wir machten wieder ordentlich Strecke und fuhren begleitet von Regen einmal quer durch die Berge Richtung „Kalamata“. Die Fahrt war wieder sehr abenteuerlich, manchmal rutschig wegen der Nässe. Es dauerte ewig und leider kamen wir erst in der Dunkelheit an, wir schliefen außerhalb der Stadt unter einem Baum am Meer. Solange, bis wir dort weggeschickt wurden und an einem anderen Strand Schutz suchten. Wir warteten noch ein paar Tage auf unsere Sendung, lernten einen jungen Griechen kennen, der in einem Restaurant arbeitete und deren Besitzerin uns ganz unerwartet eine dicke Portion Essen schenkte. Lecker!


Wir machten selber Apfelmus, sammelten Müll am Strand, fuhren zur Werkstatt um die Brems- und Kühlflüssigkeit im Van zu tauschen und konnten am 14. Januar endlich unser Paket in Empfang nehmen, nach etwa 6 Wochen Verspätung!

Nachdem wir es in Empfang genommen hatten fuhren wir weiter. Während der ständigen Fahrerei durch Griechenland gönnten wir uns nicht selten eine Pita. Diese sind erschwinglich, überall erhältlich und machen richtig dolle satt. Definitiv der ideale Snack unterwegs!

Noch einmal wollten wir zum „Elea Beach“. Mensch, war das eine merkwürdige Stimmung hier, quasi der gesamte Strand war leer. Am einen Ende standen lediglich noch vereinzelt Camper, nur noch wenige bekannte Gesichter waren da. Wir quatschen, Levi spielte, wir buchten die Fährtickets. Das Wetter war deutlich schlechter und zu allem Überfluss entdeckten wir auch noch Schimmel im Van. Zum Glück ließ dieser sich relativ einfach beseitigen.

Am 18. Januar mussten wir bloß zwei Fragebögen zu unserem Gesundheitszustand ausfüllen und durften dann auf die Fähre fahren, welche uns von „Patras“ nach Italien bringen sollte. Komisches Gefühl, waren wir jetzt doch schon so lange in diesem Land. Langsam verabschiedeten wir uns, auch wenn es sich zu diesem Zeitpunkt keinesfalls real anfühlte. Wir sind dankbar für die Zeit, die wir hier verbringen durften, für die Erlebnisse, die uns Griechenland beschert hat und für die Menschen, die wir getroffen haben und die wir nun als unsere Freunde bezeichnen dürfen.

Und hier noch zwei Empfehlungen, da Levi sehr viel Freude damit hat:

*unbezahlte Werbung!

Falls ihr Buchempfehlungen für uns habt, egal ob Groß oder Klein, gerne in die Kommentare damit!! (:

#62 Weihnachten in Griechenland

17. Dezember 2020

Unsere Gruppe zog weiter Richtung „Gythio“, zum „Dimitrios Shipswreck Beach“. Nebenbei ist Gythio ein niedliches kleines Dorf, es gibt einen sehr gut sortierten Supermarkt mit großer Auswahl („My market“) und ein paar Restaurants entlang des Ufers. Am neuen Stellplatz angekommen, erwarteten uns viele Camper. So viele hatten wir seit dem „Elea Beach“ nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Die Atmosphäre war entspannt, der feine Sandstrand schön, im Meer ragte ein riesiges, rostiges Schiffswrack aus dem Wasser. Wir verbrachten einen Tag am Strand, auch Guido stoß einen Tag später wieder zu uns. Außerdem lernten wir ein weiteres Pärchen mit ihrer kleinen Tochter kennen. Zusammen mit Niklas und Andi ging ich zum Strand und wir sammelten innerhalb von einer Stunde vier große Säcke voll Müll zusammen. Wir fanden Plastik, Flaschen, Dosen, Toilettenpapier, Tampons, Zigaretten, Schuhe, eine Glühbirne, einen Dreizack und vieles, vieles mehr. Traurig, was der Mensch da anrichtet!

Am Ende unseres Aufenthaltes hier realisierten wir, dass unsere Weihnachtsgeschenke wohl nicht mehr rechtzeitig ankommen würden. Mel gab uns den Tipp, dass sie im Dorf einen kleinen Spielwarenladen gesehen hatte. Bei diesem fuhren wir zusammen mit Natascha vorbei und hatten Glück, dass wir auf Grund der Sprachbarriere sogar in den Laden gehen und einkaufen durften. Normalerweise wäre höchstens ein außer Haus Verkauf erlaubt gewesen. Wir wurden schnell fündig und verstauten die Einkäufe sicher im Van.

Unser darauffolgender Plan bestand darin, ein Ferienhaus zu mieten. Denn in der letzten Zeit sprachen wir immer wieder davon, dass ein gemeinsames Weihnachtshaus doch etwas Tolles sein könnte. Wir buchten ein großes Haus in „Xylokastro“, in das wir wenige Tage später eintrudelten. Mel und Dietmar waren mit den Kindern schon voraus gefahren, um das Haus zu übernehmen und abzuchecken. Leider erwartete uns dann eine fürchterliche Überraschung vor Ort. Über Nacht wurde deren Wohnmobil aufgebrochen und tagsüber, während alle einkaufen waren, wurde auch noch ins Haus eingebrochen. Was für ein „Sch***“! Die Stimmung war im Keller, keiner wusste so richtig wohin mit sich und unser Bauchgefühl sagte, dass dies nicht unser lang erträumtes Weihnachtshaus werden würde. Wir schliefen eine Nacht in der Nähe des Hauses und überlegten am nächsten Morgen hin und her, was wir tun sollten. Mittlerweile hatten wir den 23. November, am nächsten Tag wollten wir eigentlich gemütlich zusammensitzen, den Baum schmücken, den Kamin anfeuern und lecker Essen. Das alles schien in weiter Ferne, bis…

…wir ein anderes Ferienhaus fanden. Leider etwas zu klein für uns alle, aber mit einem großen Gelände, einem gesicherten Zaun, zwei Bädern, Kamin.. was sollte da schon schief gehen?
Mel und Dietmar bevorzugten es im Wohnmobil zu schlafen, also buchten wir das Haus!
Wir übernachteten noch eine Nacht im Freien und fuhren am Weihnachtsmorgen zum Haus. Und die Freude war groß. Das Haus war modern, gemütlich und hatte alles, was wir brauchten. Wir bezogen die Zimmer und dann wurde die Waschmaschine nonstop befüllt. Bei drei Camperfamilien, insgesamt 11 Personen, kommt schon einiges zusammen :D.

Hatte also doch noch alles geklappt! Während wir Frauen uns einrichteten, stapfteNils los und organisierten ein paar Zweige, welche die Männer zu einem Weihnachtsstrauch zusammenbanden. Die Kinder bastelten Weihnachtsschmuck, die Lichterketten wurden aus den Campern geholt und schon stand unser wunderschöner Weihnachtsbaum. Na da hatte der Weihnachtsmann jetzt doch einen Ort, an dem er die Geschenke ablegen konnte.

Am Weihnachtsabend gab es Dhal und Rotis mit Reis, zum Nachtisch Eis mit Streuseln. Danach folgte die Bescherung. Die Kinderaugen strahlten, alle waren glücklich.

In den nächsten Tagen wurde sich viel mit dem neuen Spielzeug beschäftigt, wir feierten Nilsis Geburtstag, Niklas bastelte das Spiel „Wizard“, welches wir gerne zusammen spielten, wir kochten abwechselnd und machten Filmabende. Der beliebteste Platz war definitiv der, in dem einen gemütlichen Sessel, welcher direkt neben dem warmen, prasselnden Kamin stand.

30. Dezember 2020

Als die Zeit in dem Ferienhaus vorbei war, verbrachten wir eine Nacht alleine neben einer winzigen Kapelle und wollten uns am nächsten Tag mit allen am „Vlychada Beach“ wiedertreffen.

Dies war die wohl aufregendste Abfahrt, die wir je hinter uns gebracht hatten. Die Serpentine verlief mitten durch die Berge und durch ein schmales Bergdorf. Über schlechte, baufällige, abgebrochene, enge Straßen. Vorbei an ungesicherten, extremen Abhängen. Steile enge Kurven taten ihr übriges. Ein Fehler und dann…?

Zum Glück ging alles gut! Aber als wir in der Dämmerung ankamen, fehlte jede Spur von den anderen. Außerdem gab es keinen Handyempfang, nirgendwo. Ich entschied in der Dunkelheit den Berg wieder hoch zu stapfen und nach Netz zu suchen. Es dauerte ewig, aber es klappte. Ich konnte Mel telefonisch erreichen und sie sagte mir, dass etwas dazwischengekommen ist und sie erst morgen ankommen würden. Ich war erleichtert und es hatte den Vorteil, dass ich sie schon mal über den Zustand der Strecke vorwarnen konnte, denn die anderen Fahrzeuge sind deutlich größer, als unseres!

Gleiches Spiel, wie an jedem Morgen; alle Fenster und Türen auf und abchecken, wo wir uns befinden. Und was soll ich sagen, wir waren sprachlos!
Wir standen in einer verborgenen Bucht auf kiesigem Untergrund, zu der nur diese eine Straße führte, von der wir gestern gekommen sind. Umgeben von grauen Felsen, die hier und da von Grün bewachsen waren. Wohl wilde Ziegen kletterten über die steilen Vorsprünge. Wie elegant das aussah! Das Wasser der Bucht war klar, aber für mich zu kalt zum Schwimmen. Wir hatten ohnehin die ganze Zeit traumhaftes Wetter, dafür dass es mitten im Winter war. Da will ich mich nicht beschweren! Man konnte den ein oder anderen Seeigel im Wasser erkennen.

Im Laufe des Tages trudelten Mel und Dietmar mit ihrem langen Wohnmobil („Niesmann + Bischoff Clou“) ein. Von Natascha und Niklas fehlte jede Spur. Wir wir später erfahren sollten, trauten sie sich den Weg nicht zu und sind vorsichtshalber umgekehrt.

An diesem Tag war Silvester, das wollten wir natürlich feiern. Abends aßen wir gemeinsam am Lagerfeuer, obwohl es nachts nun wirklich eiskalt wurde. Das Feuer wärmte uns. Wir machten Bleigießen, zündeten Wunderkerzen an, die Kinder tranken „Robby Bubble“, die Erwachsenen Alkohol. Der Sternenhimmel war klar und wir hatten einen tollen Abend, frohes neues Jahr!

An dem Ort konnte man einfach richtig gut sein. Es gab kaum Verpflichtungen, das Handy konnte man getrost in irgendeine Ecke stopfen. Wir fühlten uns so verbunden mit diesem Ort, dieser Natürlichkeit der Natur.

Wir spielten uns einmal durch die Spielesammlungen beider Familien, aßen jeden Abend zusammen, fuhren Skateboard, angelten und sahen Tagesbesuchern beim Klettern an den massiven Felswänden zu. Der wirklich einzige negative Aspekt an diesem Ort, war die Anzahl an vorhandenen Zecken. Den einen Tag zählten wir an Levi ganze 18 Zecken, bei Nils vier, bei den anderen auch einige. Nur Dietmar und ich blieben verschont. Also hieß es mindestens 1x am Tag: Körper auf Zecken durchsuchen, Yes!

Dort trafen wir übrigens auch auf die durchgedrehte Crew von @captainunicorn. Drei verrückte Amerikaner mit ihren beiden auf Reise adoptierten Hunden, die einen Weltrekord im Fallschirmspringen aufstellen wollen, checkt sie unbedingt mal bei Instagram oder Youtube aus!

Wiedergetroffen am „Fossil Forest“

#61 Kalamata & 2. Finger Peloponnes

(Jetzt wieder in chronologischer Reihenfolge :D)

26. November 2020

Was hatten wir nur für eine wundervolle Zeit am „Elea Beach“…
Jedenfalls so lange, bis der Lockdown sich aufs ganze Land ausweitete und die Polizei das Gebiet immer mehr in den Blick nahm. Ihnen waren die Anzahl der Camper ein Dorn im Auge. Sie hatten aber auch keine richtige Lösung, wo all die Reisenden bei Fahrverbot und geschlossenen Campingplätzen bleiben sollten. Nach und nach fuhren sie durchs die Gegend und nahmen vorübergehend Leute (meistens Männer) fest, brachten sie aufs Revier und verhängten ihnen Bußgelder, um sie dann spät abends wieder zum „Elea Beach“ zu fahren. Was ein Akt! Bis heute habe ich allerdings von keinem der Betroffenen gehört, dass jemals ein Bußgeldbescheid am Wohnsitz angekommen wäre!

Allerdings ließen sich von dieser Situation viele verunsichern und beschlossen, ihr Glück an einem anderen Ort zu suchen. Am Ende blieben von unserer Gruppe zwei weitere Familien über. Insgesamt war es schon sehr leer geworden und die Polizei hatte sich auch schon ein paar Tage nicht blicken lassen, als wir entschieden diesen entspannten Ort zu verlassen. Ende November machten wir uns jeweils auf, zu getrennten Zielen. Die anderen beiden Familien fuhren den 1. Finger der Halbinsel Peloponnes runter, während wir uns auf den Weg in die Stadt „Kalamata“ machten. Da Weihnachten vor der Tür stand, ließen wir uns ein Paket von meinem Vater aus Deutschland mit Geschenken für Levi schicken. Laut Aussage der Post sollte dieses innerhalb von 9 Werktagen im Zielort ankommen. Also mieteten wir uns eine Wohnung außerhalb der Stadt. Diese war leider nicht mehr verfügbar und als Entschuldigung bekamen wir eine moderne Wohnung mit riesiger Dachterrasse mitten in „Kalamata“. Entschuldigung angenommen :D.

Unseren Van stellten wir etwas außerhalb der Stadt, auf einem kostenpflichtigen, bewachten Parkplatz ab und zogen in die neue Wohnung. Leider stürzte ich schon in den ersten Tagen ganz fies eine Treppe herunter und konnte mich danach kaum mehr bewegen. Der Rücken schwoll an und bekam blaue Flecken in verschiedensten Farben. Ich lag die kommenden Tage also mehr oder weniger nur rum, während Levi und Nils die Stadt unsicher machten. Sie gingen zum Hafen, aßen Eis und erkundeten alte, abgestellte Züge im „Railway Park“ um die Ecke. Am allermeisten genossen wir den Ausblick vom Dach, der zu jeder Tageszeit spektakulär war. Auf der einen Seite im Hintergrund die Berge, welche meistens wolkenverhangen waren, auf der anderen Seite das Mittelmeer, drumherum die Stadt. Abends ein wahrhaftes Lichtermeer.

Die Zeit verging schnell und am Ende war eines natürlich nicht da, das Paket. Es häuften sich die Meldungen in unserer Umgebung, dass weitere Päckchen unauffindbar waren.

Schien an Corona, dem schlechten Postnetz in Griechenland und viel zu wenigen Paketzustellern zu liegen und das auch noch mitten in einem Lockdown vor Weihnachten, während alle Läden geschlossen waren…Und wir mittendrin.

Wir entschlossen also, uns mit den beiden Familien wiederzutreffen, mit denen wir bis zuletzt am „Elea Beach“ ausgeharrt hatten, denn diese waren quasi auf dem Weg in unsere Richtung.

Am 08. Dezember trafen wir uns bei den „Polylimnio Wasserfällen“, bei schlechtestem Wetter wieder. Es war nass, kalt, stürmisch, der Untergrund matschig, die Umgebung dafür wunderschön. Da standen wir also inmitten von saftigen Wiesen, dichten Bäumen, dunkelgrünen Zypressen, in der Nähe von Wasserfällen. Diese schauten wir uns in einer der Regenpausen an. Es gibt verschiedene Wege, die man rauf und runter wandern kann. Außerdem einen Weg, bei dem man ganz schön klettern muss und ins Schwitzen kommt. Dietmar probierte es freundlicherweise für uns aus.

Die Wasserfälle waren wild, sehr naturbelassen mit milchig grün bis türkisem Wasser.

Wir genossen wiedermal die Zeit und freuten uns darüber, unsere Freunde wieder um uns herum zu haben. Die verregneten Tage verbrachten die Kids entweder draußen, auf einer Terrasse einer benachbarten leeren Hütte, für deren Benutzung wir die Einverständnis vom Besitzer hatten, oder in einem der Wohnmobile. Abends machten wir Lagerfeuer, solange es trocken genug war.

Während dieser Tage merkten wir einmal mehr, wie bescheuert es gewesen ist, dass wir keine Heizung im Van verbaut haben, denn wir hatten ganz schön mit der Feuchtigkeit zu kämpfen.

Langsam fuhren wir den 2. Finger von Peloponnes herunter, verbrachten nochmal zwei Nächte alleine an einer Klippe umgeben von großen Kakteen. Dort lernten wir ein weiteres Pärchen kennen, welches mit ihrem Overlander unterwegs ist, das ist eine richtige Maschiene! (ueberallpenner)

Am 14. Dezember machten wir einen kurzen Stopp in „Stoupa“. Dieses Dorf liegt direkt am Meer mit kleinen vorgelagerten Felsinselchen und ist total schnuckelig. Leider hatten auch hier die meisten Geschäfte zu. Trotzdem bestellten wir uns eine Pizza, ein Eis und konnten sogar Postkarten erwerben. Der weitere Weg führte uns durch die Berge, der Sonnenuntergang war wunderschön. In der Dämmerung kamen wir unserem neuen Stellplatz immer näher. Wir wollten uns mit unseren Freunden an einem alten, verlassenen Hafen treffen. Die Abfahrt war ganz schön schweißtreibend und wir uns nicht so sicher, wie gut der Van das mitmachen würde, da wir in den vergangenen Tagen bereits Probleme mit dem Motor hatten.

Als wir in ganzen Stücken unten ankamen, waren unsere Freunde noch nicht da. Es wurde dunkler und wir begannen uns Gedanken zu machen. Es dauerte noch eine ganze Weile, aber dann rollte erst die eine, später die andere Familie langsam, aber sicher die Zielgerade herunter.

Ankommen, kurz auspowern, essen, schlafen; eine immer wiederkehrende Routine nach langen Fahrtagen.

Als wir am nächsten Morgen die Fenster und Türen aufmachten, konnten wir unser Glück wiedermal nicht fassen. Wie schön ist bitte Griechenland?! Hinter uns ragten malerisch Berge empor, vor uns befand sich eine steinige Klippe und glasklares, türkises Meer. Erstmal die Drohne steigen lassen.. 😀

Die Tage gingen viel zu schnell vorbei. Ein Teil der Gruppe kletterte zu den zahlreichen Höhlen, die sich in den Felsen hinter uns befanden, wir gingen baden, aßen gemeinsam. Übrigens waren die Sonnenuntergänge hier atemberaubend.

Wir lernten Guido kennen und machten Lagerfeuer. Spätestens seit der Bekanntschaft mit ihm sind Lagerfeuer quasi zu einem festen Abendritual geworden. Inspiriert von Guidos Ausrüstung fingen unsere Männer in den nächsten Tagen an, Sägen und Beile zu kaufen und immer einen kleinen Holzvorrat bei sich zu führen.

#59 Auch das ist Europa – Bulgarien!

! Dieser Beitrag hätte eigentlich nach Rumänien, vorm Elea Beach, kommen müssen..!

29. Oktober 2020

Wir bekamen eine Nachricht, mit der wir nicht mehr gerechnet hätten. Vor etwa einem Jahr standen wir mit einer Journalistin in Kontakt, die gerade dabei war ein Buch zu schreiben. Dafür suchte sie nach Familien, die sich auf ein Abenteuer begeben haben. Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass wir in Indien anfingen, ihre Fragen zu beantworten und Texte zu formulieren.

Nun war es soweit und das Buch, auf das wir wirklich lange gewartet haben, ist endlich im Handel erschienen!

Wir sind übrigens ab Seite 33 zu finden 🙂

Für alle, die es interessiert, der Titel lautet „Kleine Fluchten – grosses Glück“, geschrieben von Vera Schroeder, erschienen im Kösel Verlag. Das Buch kostet 16,00 Euro.

*unbezahlte Werbung, da Nennung

Unsere Reise setzten wir über Bulgarien fort, ein Land, welches wir nie so richtig auf dem Schirm hatten. Durch welches wir nun aber durch mussten, denn zwischen Bulgarien und Griechenland befand sich der einzig offene Grenzübergang auf dem Landweg. Für die Einreise benötigten wir neben einem online zu beantragenden QR – Code auch ein negatives PCR Testergebnis. Da, wie im letzten Beitrag schon erwähnt, die Grenzsituation immer unklarer wurde und der nördliche Teil Griechenlands sich bereits im Lockdown befand, drängte für uns die Zeit. Wir warfen unsere Pläne über Bord und fuhren nicht zu dem „Rila Kloster“ und den „Sieben – Rila – Seen“, sondern direkt in den Süden des Landes.

Am 31. Oktober versuchten wir unser Glück im „ Slavyanska Hospital“ in „Blagoevgrad“. Als wir so über die verlassenen Gänge liefen, überkam uns ein Schauer. Irgendwie ganz schön gruselig hier! Die Gänge erinnerten an eine Psychatrie aus alten Filmen. Es hätte aber genauso gut ein Krankenhaus in einem Ort sein können, in dem ein Bürgerkrieg herrscht. Außerdem wäre das Krankenhaus ein guter Drehplatz für „The Walking Dead“. Alles in allem also wirklich kein schöner Ort! (Leider, leider, leider gibt es nur ein Video von diesem Ort und dieses können wir hier nicht hochladen.)
Nach einigem Gesuche fanden wir schließlich eine Angestellte, die uns mitteilte, dass wir zu spät sind. Mist! Es war Freitag Nachmittag. Wir sollten am Montag Morgen wiederkommen, vorher lief nichts mehr.
Wir suchten uns also einen Stellplatz, neben einem grünen Feld, inmitten von Bergen.

Da Levi es unbedingt mal ausprobieren wollte Halloween zu feiern, wir eigentlich aber keine großen Fans von dem Fest sind, kauften wir noch fix ein paar Kürbisse, schnitzen Gesichter hinein und bastelten eine Maske für Levi. Dann lief er mit einem kleinen Körbchen um den Van herum, sagte an der Tür einen kleinen Spruch auf und bekam dafür Süßigkeiten. Levi war stolz wie Oskar und fiel glücklich ins Bett.

Das Wochenende über passierte bei uns nicht viel. Wir checkten alle paar Stunden, ob die griechische Grenze noch offen ist und sehnten den Montag herbei.

Als es soweit war, machten wir uns morgens früh auf den Weg zurück zum Krankenhaus, stellten den Van in einer Nebenstraße hinter dem Gebäude ab und liefen zum Eingang. Dort angekommen war der Ort fast nicht wiederzuerkennen. Natürlich war es immer noch so heruntergekommen, wie zuvor, aber überall waren Menschen. Wir reihten uns in eine lange Schlange ein, mit Einwohnern, die ebenfalls einen Test machten wollten bzw mussten. Wir warteten lange. Nebenbei schauten wir uns das Geschehen um uns herum an. Ständig kamen Krankenwagen angebraust, aus denen Mitarbeiter in voller Körpermontur stolperten. Eine Krankenwagenfahrerin stieg gerade heraus, drückte sich erst mal ihre Zigarette aus und holte im Anschluss den Patienten, welcher sich auf einer Liege befand, aus dem Wagen. Was für ein Anblick!
Als wir Erwachsenen den Test hinter uns hatten (je 53 Euro, Levi brauchte zum Glück keinen), verließen wir diesen Ort fluchtartig. Wir mussten am Nachtmittag wiederkommen und unsere Ergebnisse abholen. Die Zeit überbrückten wir auf einem Parkplatz eines Supermarktes. Wir aßen Pizza, kuschelten uns ins Bett, schauten einen Film und schliefen eine Runde. Dann war es soweit, wir fuhren ein letztes Mal ins Krankenhaus und nahmen unsere Ergebnisse in Empfang. NEGATIV! Was für ein Glück! Zurück im Van füllten wir noch schnell den Antrag für den benötigten QR – Code aus, auf den wir bis zum nächsten Morgen warten mussten und fuhren dann zu einem Stellplatz direkt bei der Grenze.
Wir schliefen kostenlos, mit vielen anderen Campern auf einer Wiese, die sich direkt neben heißen Quellen (nahe der Grenze bei Kulata) befanden.

#60 Elea Beach

Über die Schreibweise dieses Ortes scheiden sich übrigens die Geister!

03. November 2020

An der Grenze zu Griechenland wurden wir von sehr unfreundlichen Grenzbeamten in Empfang genommen. Sie checkten unser Fahrzeug, unsere Papiere und wir mussten erneut einen Test machen, das Ergebnis sollten wir innerhalb von 48 Stunden per SMS bekommen (allerdings nur bei positiven Ergebnis, ansonsten bekäme man keine Nachricht) und uns solange selbst isolieren.

Und dann waren wir endlich in GRIECHENLAND! Unsere Freude war riesig! Wir hatten es geschafft! Nun konnten wir endlich entspannter unterwegs sein und mussten nicht mehr ständig checken, wie unsere Weiterreise aussehen könnte. Denn wir waren angekommen und wollten so schnell auch nicht mehr weg!

Da sich der Norden des Landes aber bereits im Lockdown befand, machten wir noch, ein vorerst letztes Mal, ordentlich Strecke und schliefen in „Patras“. Dort ruhten wir uns etwas aus, wuschen unsere Wäsche im günstigen und für griechische Verhältnisse schnellen „Easy Wash Self Service Laundromat“, besorgten ein paar notwendige Teile im Baumarkt, gingen einkaufen.

Hier noch ein kleiner Tipp: Wenn man vom Festland nach Patras auf die Halbinsel Peloponnes möchte, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man fährt wie wir Doofis über die Brücke und zahlt dafür 20 Euro, oder aber man fährt mit der Fähre, die unterhalb der Brücke ablegt und spart dadurch einiges an Geld, wie wir wenig später erfuhren..!

Spät abends kamen wir ein paar Tage später auf den Peloponnes an. Durch soziale Medien waren wir immer wieder im Kontakt mit anderen reisenden Familien. Die Mehrheit von ihnen befand ich an einem etwa 5km langen Strandabschnitt, dem „Elea Beach“. Wir wurden direkt von einer Familie empfangen, welche einen Abendspaziergang machte. Wir aßen zusammen, quatschen bis spät in die Nacht und die Kinder zündelten mit Feuer, welches aber eigentlich verboten ist, wie wir wenig später erfuhren.

Wie wir am nächsten Morgen feststellten, waren diese bereits erwähnten Familien nicht die einzigen, die sich hier vorübergehend niedergelassen hatten. Während wir über das Gelände liefen sahen wir unzählige Camper unter Bäumen, auf Lichtungen, am Meer stehen. Und die Tage über kamen immer mehr Fahrzeuge an. Vans, Wohnmobile, Overlander, umgebaute Pickups und sogar 2 Wohnwagen standen da. Es war alles dabei. So unterschiedlich, wie die Fahrzeuge, so waren auch deren Insassen. Familien, Pärchen, Singles, Rentner, Hunde, Urlauber, Langzeitreisende, Vollzeitreisende, Freigeister, Geschäftsleute, Lehrer, Musiker. Aus allen Schichten, in jedem Alter, aus verschiedensten Nationalitäten, mit diversen sexuellen Vorlieben. Gezählt wurden zum Höhepunkt 150 rollende Zuhause. Überall wurde gewerkelt, gespielt, gequatscht, geschaffen, geholfen, gelacht. Es entstanden Schaukeln, Waschtische & Duschen an den drei öffentlichen Wasserhähnchen. Verkaufsständchen mit Olivenöl, Obst, Gemüse & Schmuck wurden aufgebaut und Workshops für Yoga, Makramee & Co angeboten. Jeden Morgen fuhr ein Bäcker mit seinem Laster über den Platz und verkaufte Brot, Brötchen, Feta – Spinat – Täschchen, Schokocroissants, Pizza, Eier, Milch & Co. Auf Wunsch und Bestellung auch andere Waren. Im Örtchen nebenan öffnete die „Filia Laundry“ ihre Pforten. Betrieben von zwei deutschen Auswanderern mit ihren 4 Hunden, konnte man dort nicht nur Wäsche waschen, sondern auch Gasflaschen tauschen und Bioartikel wie Linsen, Tofu, Getreide & Co erwerben.

Zusammen mit dem Markt in einem Dörfchen nahe Kalo Nero und dem 15 km entfernten Lidl war man also bestens versorgt. Mülltonnen gab es jeweils an einem der beiden Ausgängen des Geländes.

Wow, war das ein Flair! Hier ließ es sich schon aushalten. Waren wir auf einem Festival? In einem Hippiedorf? Im Paradies?

Innerhalb von ein paar Tagen taten wir uns mit einer Gruppe anderer Familien zusammen und bildeten ein eigenes kleines Camp, zu dem in den nächsten Tagen auch noch ein paar andere Familien dazustießen. Es begann die beste Zeit, die wir uns nur hätten wünschen können.

„Und nun liege ich wie ein paniertes Schnitzel am Strand, lasse die Sonne auf meinen Körper scheinen und genieße die Ruhe, denn neben dem Meeresrauschen höre ich nichts. Ich bin gerade einfach nur glücklich, es fühlt sich so richtig an, hier zu sein, so gut!“ schreibe ich auf.

Die letzten Tage haben wir damit verbracht, unser Lager aufzuschlagen. Wir haben uns sichtgeschützte Duschkabinen aus angespültem Treibholz und Planen gebaut, aus herumliegenden Steinen Terrassen gepflastert und Wäscheleinen gespannt.

Endlich haben wir mal wieder so richtig Zeit. Zeit zum Spielen, zum Toben und tatsächlich auch mal Zeit, um ein Buch zu lesen.

Franzi (https://www.instagram.com/mehr_als_essen/?hl=de) hat mir vor unserer Abreise zwei Bücher mitgegeben. In eines davon bin ich gerade sehr vertieft, der Autor spricht mir immer wieder aus der Seele, denn viele Geschehnisse haben wir genau so erlebt. („Sechs Paar Schuhe“, von Maria und Thor Braarvig)

Wir genossen die Zeit, liefen durch die vielen duftenden Thymianbüsche, die den Strand säumten, schauten uns das Bootswrack an, welches vor Jahren an den Strand gespült wurde, beobachteten die Schafeherde, welche täglich am Strand entlangkam, machten eine Schatzsuche, gingen schwimmen, schauten in den klaren Sternenhimmel, spielten „Speedminton“, machten Lagerfeuer und sandelten (Danke Patrick, für mein neues Lieblingswort!).

Wir Erwachsenen setzten uns in großen Stuhlkreisen zusammen und quatschen stundenlang, während die Kinder mal mehr, mal weniger friedlich miteinander spielten. Lieblingsspiele waren hier definitiv Polizei und „Dragons“. Hin und wieder fuhr sich mal ein Camper im sandigen Untergrund des Geländes fest, was bei einigen Kindern definitiv den Höhepunkt darstellte.

Immer wieder aßen wir gemeinsam, einmal bestellten wir uns mittags griechisches Essen aus einer nahegelegenen Taverne. Am „Martinstag“ wurden Laternen gebastelt. Abends fanden sich beinahe alle Familien zusammen: Wir liefen eine kurze Runde leuchtend über das Gelände und sangen bekannten Liedern. Wir waren alle Gleichgesinnte, das war ein sehr angenehmes Gefühl, was wir vorher so nie verspürten.

Was wir auch sehr genossen war, das wir einander halfen. Ging bei dem einen der Kühlschrank kaputt, wurde bei einem anderen einfach etwas Platz in der Kühlung geschaffen. Ging einem der Strom aus, wurde von einem anderen Strom rübergeladen. Verlies einer doch mal das Camp und ging einkaufen, wurde für alle anderen mit eingekauft. Brachte einer seinen Müll weg, wurde auch bei allen anderen nochmal Müll eingesammelt. Wir unterstützen uns gegenseitig bei der Beaufsichtigung der Kinder und schafften somit angenehme Freizeit.

Dank unserer lieben Freunde Mel und Dietmar stand uns sogar rund um die Uhr ein elektrisches Lastenrad zur Verfügung, was gerne genutzt wurde, um unsere Wassertanks aufzufüllen. Auch die Kinder hatten einen Heidenspaß dabei, mit diesem Gefährt herumgefahren zu werden.

Das schrecklichste Erlebnis dieser Zeit war definitiv der, als ein kleines Mädchen vom Baum fiel und sich dabei ihre Lippe sehr verletzte. Es folgten nervenaufreibende Stunden, bis der kleinen Maus geholfen werden konnte. Zum Glück steckte sie es aber besser, als erwartet weg und spielte nur wenige Tage später mit vollem Elan weiter.

Danke, Mel & Dietmar, Natascha & Niklas, Patrick & Verena, Ina & Philipp, Tammo & Friederike, Belle & Andi, Bettina & Armin und all euren wundervollen Kindern für diese einzigartige Zeit!

#58 Rumänien

22. Oktober 2020

Am nächsten Morgen begrüßte Rumänien uns mit bestem Wetter. Da das erste Mal seit Tagen die Sonne schien, entschieden wir uns dazu, draußen zu kochen und zu frühstücken, am Ufer neben dem Fluss.

Nach einem gemütlichen Vormittag buchten wir uns eine Wohnung über Airbnb, denn Levis Klamotten mussten dringend gewaschen werden. Uns erwartete eine große, helle Wohnung mit Badewanne und Dachterrasse. Hier verbrachten wir zwei Nächte und dann ging es weiter.

Rumänien machte es uns von Anfang an sehr einfach. Wir fühlten uns sofort wohl in diesem Land. Wir standen ein paar Tage in Rumäniens schöner Natur, umgeben von Marienkäferschwärmen, die herbstlichen Bäume voller buntem Laub. Da Freistehen in dem Land erlaubt ist und es schöne einsame Plätze wie Sand am Meer gab, genossen wir die Zeit umso mehr. Wir bauten ein begrüntes Tipi, waren an der frischen Luft und begegneten sogar einem Feuersalamander.

Wir fühlten uns wohl in unserem neuen zu Hause, in unserem liebevoll gestalteten Van. Und wir fühlten uns immer noch wohl bei dem, was wir taten. Voller Vorfreude blickten wir auf die kommende Zeit.

Wir verbrachten eine weitere Nacht mitten im Nirgendwo. Soweit wir das bei den schwachen Lichtverhältnissen feststellen konnten, standen wir umgeben von Wiesen auf einem Parkplatz. War uns aber auch relativ egal, denn es war spät und wir waren müde.

Am nächsten Morgen wachten wir auf, stolperten verschlafen aus unserem Van und waren umgeben von Schafen. Eine ganze Herde graste rundherum. Der Schäfer stand in der Nähe und war sichtlich froh uns zu sehen, wir waren total überrumpelt. Wir sprachen leider keine gemeinsame Sprache, dennoch verstanden wir, dass der Hirte Probleme mit seinem Handy hatte. Der Flugmodus war eingeschaltet, aber egal was wir taten, wir bekamen ihn nicht raus. Nach einer Stunde gaben wir auf, denn wir fanden keine Lösung. Der Hirte verabschiedete sich von uns und wir fuhren weiter.

Wenig später hielten wir bei einer Kirche, fütterten ein paar Straßenhunde und gaben einer bettelnden Frau Obst, über das sie sich sehr freute. Mit Armut waren wir in den kommenden Tagen immer wieder sehr konfrontiert. Egal wo lang wir fuhren, überall begegneten uns verwahrloste Kinder, Bettler, Straßenhunde, Prostituierte… Einmal mehr wurde uns bewusst, wie privilegiert wir sind. Wir versuchten zu helfen, wo es ging. Kauften mehr Hundefutter, Wasser und Obst, um dieses bei Gelegenheit weitergeben zu können. Und wir dachten noch oft an den Schäfen, dessen Namen wir nicht einmal wussten und der so ein hartes Leben führte.

Am 26. Oktober buchten wir uns ein Hotelzimmer im „Cazare Bran ieftina ELLA Manson“, etwas außerhalb des Örtchens „Bran“. Denn wir brauchten dringend wieder eine warme Dusche und frische Klamotten. Uns empfing ein kommunikativer Gastgeber, der großes Interesse hatte, mehr von uns zu erfahren und Wissen über sein Land weiterzugeben. Stundenlang quatschen wir über Gott und die Welt. Abends schlenderten wir durch den kleinen Ortskern und erhaschten einen ersten Blick auf die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Rumäniens, das Schloss Bran.

Wir setzten uns in ein Restaurant, bestellten uns Abendessen und ließen den Tag ausklingen. Zum Nachtisch gab es „Baumstriezel“, unglaublich lecker, vor allem, wenn er gerade frisch vom Feuer kommt und noch richtig warm ist.

Am nächsten Morgen machten wir uns, nach einem leckeren Frühstück, auf den Weg zum Schloss Bran (auch Törzburg genannt). Um dieses ranken sich seit Jahren viele Geschichten von Dracula, dem Fürst „Vlad III. Draculea“. Auch wenn dieser die Burg wohl nie betreten hat. Die Ausstellung war interessant. Die Burg bietet lauter kleine Wege und Korridore, ist sehr verschnörkelt und wunderschön. Es machte uns sehr viel Spaß durch die Burg zu laufen, immer treppauf, treppab. Bis wir im oberen Stockwerk ankamen. Dort wurden per Leinwand gruselige Szenen von Sagengestalten und Dracula gezeigt, vor denen Levi sich sehr fürchtete. Levi zog es ab diesem Moment vor, lieber auf dem schützenden Arm von Nils platz zunehmen. Wir verließen diese Räume schnell wieder und liefen in Richtung Ausgang. Leider blieben die Sequenzen noch einige Tage in Levis Kopf und sorgten für unruhige Nächte. Irgendwie doof, dass vorher keine Warnung stand, sodass man mit Kindern vielleicht besser einen anderen Weg gegangen wäre. Trotzdem ist die Burg wirklich einen Besuch wert.

Später fuhren wir weiter durchs herbstliche „Siebenbürgener Land“. Und dieses hat wirklich einiges zu bieten, egal wohin wir schauten, es war zu schön, um wahr zu sein. Dieses ursprüngliche Land mit all seinen Holzkutschen und Schafhirten, mit den vielen Bergen und den bunten Herbstfarben. Wir verliebten uns ziemlich schnell und es steht fest, dass wir definitiv wiederkommen werden. Aber jetzt mussten wir erst mal weiter, denn die Corona Situation verschlechterte sich in Europa wieder deutlich und immer mehr Länder schlossen ihre Grenzen. Dabei wollten wir doch in den Süden…!

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